
NEU-DELHI, 6.10.2006 (UNHCR) " Bei einem Kurzbesuch hat UNHCR-Sonderbotschafterin Angelina Jolie Flüchtlinge aus Afghanistan und Myanmar getroffen, die ihr über ihre Flucht vor Verfolgung in der Heimat und das Leben in der indischen Hauptstadt Neu-Delhi berichteten.
Die US-amerikanische Schauspielerin war informell in Jeans und ein T-Shirt des UN-Flüchtlingskommissariats gekleidet. Sie nahm beim Spiel mit Flüchtlingskindern auf dem Fußboden Platz, nahm Anteil am schweren Schicksal einer alleinerziehenden Mutter und unterhielt sich mit Jugendlichen über die Schwierigkeiten und den Spaß beim Lernen einer neuen Sprache.
"Ich bin den Flüchtlingsfamilien dankbar dafür, dass sie Zeit mit mir verbracht und mir ihre Geschichten erzählt haben", sagte Jolie. "Sie sind bemerkenswerte und mutige Leute."
Am Samstag sah sich Jolie ein Beratungszentrum für Flüchtlingsfrauen im Westen Delhis an, wo Frauen aus Myanmar in einer sicheren Umgebung über ihre Probleme sprechen können.
Mithilfe der Beratungsstelle kann UNHCR seine Unterstützung für Flüchtlingsfrauen verbessern, etwa indem für medizinische Hilfe gesorgt oder der Schulbesuch der Kinder gesichert wird. Längerfristig soll vielen Frauen die Neuansiedlung in Ländern wie Australien, Kanada, Neuseeland, Norwegen und den USA ermöglicht werden. Zum größten Teil handelt es sich um Angehörige der Chin, einer christlichen Minderheit im buddhistischen Myanmar.
Jolie schrieb in ein dickes Notizbuch, während sie konzentriert burmesischen Flüchtlingsfrauen zuhörte, die erklärten, sie könnten nicht zurückkehren, solange die Militärregierung an der Macht ist. Währenddessen spielte ihr fünfjähriger Sohn Maddox auf dem Boden mit den burmesischen Kindern und überwand alle Sprachbarrieren beim Spiel mit Kreiseln.

"Es berührt mich sehr, wenn ich höre, wie diese Flüchtlinge verfolgt wurden", sagte Jolie. "Es ist klar, dass sie nicht heimkehren können, und es schwierig für sie, in Indien Fuß zu fassen. Zum Glück werden viele von ihnen schließlich in anderen Ländern aufgenommen."
Nach dem Gespräch mit zwei burmesischen Frauen bemerkte eine der beiden in schüchternem Ton: "Sie sehen aus wie eine Schauspielerin." Und die zweite fragte: "Sind Sie ein Filmstar""
"Deshalb bin ich in Indien: um einen Film zu machen", antwortete Jolie, "aber nach Delhi bin ich nur gekommen, um Sie zu besuchen. Ich empfinde es als Ehre, Sie treffen zu können. Sie sind sehr starke Frauen. Sie sind großartig."
In der indischen Hauptstadt erhalten insgesamt 11.400 Flüchtlinge direkte Hilfe von UNHCR.
Zu Gast bei einer burmesischen Frau, die mit ihren drei Kindern ein Zimmer teilt, ließ sich Jolie auf dem Holzbett nieder. Die Frau war nach der Verhaftung ihres Ehemannes mit den kleinen Kindern aus Myanmar geflohen. Sie sagte, in Indien könne sie nicht arbeiten, weil sie sich um die Kinder kümmern müsse.
"Das ist die härteste Arbeit", sagte Jolie, die selbst drei Kinder hat. "Es muss sehr schwierig für Sie sein, drei kleine Kinder in einem fremden Land großzuziehen."
Die Schauspielerin besuchte auch die Khalsa Diwan Welfare Society, eine Flüchtlingsorganisation von und für Afghanen, die der Sikh-Religion angehören. Dort wurden gerade Schneiderei-, Musik- und Englischklassen gegeben. Allein in Neu-Delhi leben 9.500 Sikh-Flüchtlinge aus Afghanistan. Sie wurden als Minderheitsangehörige in ihrem Heimatland verfolgt. Viele von ihnen leben seit fast drei Jahrzehnten in Indien. Die meisten der Jugendlichen die Jolie traf, wurden in Indien geboren und haben Afghanistan nie gesehen.
Angelina Jolie empfand es als tragisch, dass die afghanischen Flüchtlinge für so lange Zeit im Exil leben mussten. "Wir konzentrieren uns häufig auf Flüchtlingskrisen, aber wir vergessen, dass es Millionen von Flüchtlingen auf der ganzen Welt gibt, die Jahre und sogar Jahrzehnte außerhalb ihrer Länder verbringen müssen", sagte sie. "Die internationale Gemeinschaft muss stärker daran arbeiten, dass Lösungen für diese vergessenen Flüchtlinge gefunden werden."
Quelle: http://www.unhcr.de/
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