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UNO-Bericht: Über 42 Millionen Menschen auf der Flucht

Nach Angaben des UNO-Flüchtlingshilfswerks sind im Jahr 2008 weltweit über 42 Millionen Menschen vertrieben worden. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Zahl um 700.000 gesunken. Die Zahl der Flüchtlinge in Pakistan, Sri Lanka und Somalia steige jedoch bereits 2009 wieder, so der Flüchtlingskommisar der Vereinten Nationen, Antonio Guterres. Das Amt des Hohen Flüchtlingskommissars (UNHCR) und UNHCR-Botschafterin Angelina Jolie haben zum Weltflüchtlingstag am 20. Juni eine Videobotschaft veröffentlicht, um allen Flüchtlingen weltweit zu gedenken. Das Video kann im Internet unter www.unhcr.org/pages/49c3646c46d.html angesehen werden.

Quelle: http://www.unric.org/

 

 

Eine ganz persönliche Mission

Von Christine Kruttschnitt

Seit sechs Jahren reist die Schauspielerin als Botschafterin der Vereinten Nationen in die Krisengebiete der Welt. Um auf das Elend der Sudan-Flüchtlinge aufmerksam zu machen, besuchte sie im Februar das Lager Oure-Cassoni im Tschad.

Ein verstörter Junge, barfuß, an einem Pfosten festgebunden. Zusammengekauerte Frauen, die von ihren Vergewaltigungen erzählen. Zelte, aufgeschürft von Sandstürmen, Tausende und Abertausende Flüchtlinge, die darin leben. Jeder weiß zu berichten von Vertreibung und Tod, Flucht, Hunger, Kälte, von schreienden, kranken Kindern, verbrannten Häusern, vom großen Nichts, das jetzt ihre Heimat ist. "Immer wieder werde ich gefragt, wie ich fertig werde mit dem, was ich dort sehe", sagt Angelina Jolie, die Ende Februar das Flüchtlingslager Oure-Cassoni in einem Wüstenstreifen nahe der sudanesischen Grenze im Tschad bereiste. "Ich verstehe das nicht. Ich sehe es doch nur! Ich muss nicht dort leben."

Als sie diese Zeilen vergangene Woche per E-Mail dem stern schickte, war die Vielfliegerin schon längst nicht mehr in Afrika. Wie die ganze Welt mit genüsslichem Interesse zur Kenntnis nahm, hatte Angelina Jolie aus einem südvietnamesischen Waisenhaus einen dreijährigen Jungen abgeholt. Der Name des Kleinen - Pax Thien - wurde ebenso flächendeckend publiziert wie der Abschied vom Waisenhaus an der Seite der zukünftigen Mama, dito deren gesamter vietnamesischer Wortschatz ("khong sao dau"), als Pax vor Aufregung in Tränen ausbrach. "Kein Problem", tröstete Angelina Jolie den Jungen. Ein Problem hingegen, befand sie später, seien die Massen an Fotografen und Reportern gewesen, die vor der Tür auf die Schauspielerin warteten und ihren dunklen Minivan durch die ganze Ho-Chi-Minh-Stadt verfolgt hatten.

Keine Kindheit, keine Hoffnung für die Kinder im Flüchtlingslager

Pax heißt Frieden, und das Kind wird, Paparazzi hin, Promi-Wahnsinn her, höchstwahrscheinlich in ebensolchem aufwachsen. Finanziell gesichert, von einer liebenden Familie umgeben. In Malibu vielleicht, wo die berühmte Mutter mit dem berühmten Lebensgefährten Brad Pitt ein Anwesen am Strand bezogen hat; oder in New Orleans, wo die beiden im Januar ein Haus kauften und wo Jolie von den Schulen so begeistert war, weit weg vom Star-Gaga-Dasein in Hollywood. Kein Zweifel, Pax - der schon als Baby im Waisenhaus landete - hat eine rosige Zukunft vor sich. Der namenlose, angepflockte Junge aus dem Flüchtlingslager in Oure-Cassoni hingegen, den Jolie noch vor wenigen Tagen im Arm hielt, "hat keine Kindheit, keine Hoffnung. Er ist sieben Jahre alt und kann nicht sprechen", schreibt sie. "Er ist traumatisiert von dem, was er in Darfur erlebt hat. Er braucht therapeutische Hilfe, aber so etwas ist Luxus. Es ist schwer genug, für die Menschen dort Essen und ein Dach über dem Kopf zu besorgen. Ich habe mit Freuden gehört, dass die USA Sanktionen gegen den Sudan androhen. Hoffentlich werden andere Länder nachziehen."
 
So, und jetzt mal ganz tief durchatmen. Darfur? Sudan? Sanktionen?! All jene, die bei Angelina Jolie bislang an Lara-Croft-Busen und Schlagzeilen zum Thema Männerfresserei (Stichwort: Jennifer Aniston) dachten und die 31-Jährige vorwiegend für die erotischste Lippe der Nordhalbkugel halten: All jene sollten spätestens jetzt, beim Anblick dieser Bilder, erkennen, dass der Star seine Aufgabe als Sonderbotschafterin des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR wirklich, wirklich ernst nimmt. Mehr als 30 Camps hat Jolie in den vergangenen Jahren besucht, zuletzt ebenjenes im Tschad, das Sudanesen aus der umkämpften Darfur-Region beherbergt. Und sie weiß genau: Wenn sie auch nur ein Quäntchen der Aufmerksamkeit, die ihr Kinoruhm und mehr noch ihr Privatleben auf sich ziehen, umlenken kann auf das Schicksal vertriebener Kinder und zerstörter Familien, dann erfüllt diese ganze Paparazzi-Celebrity-Hysterie wenigstens einen Zweck; einen besseren, als Filme zu bewerben oder Klatschblätter zu füllen. Jolie ist aufgewachsen als Kind von Schauspielern - ihr Vater ist der Oscar-Preisträger Jon Voight -, Starrummel ließ sie schon immer kalt.

Jolie: "Die haben vermutlich gedacht, ich sei ein bisschen durchgeknallt"

Vor sechs Jahren marschierte sie ins Hauptquartier des UNHCR in Washington und fragte, was sie tun könne. Sie hatte über die Arbeit der Organisation gelesen und war plötzlich wild entschlossen zu helfen. "Die haben vermutlich gedacht, ich sei ein bisschen durchgeknallt." Genau das war ja ihr Image: die Rebellin, das wilde Mädchen; eine grandiose Schönheit mit wasserblauen Augen und diesem unglaublichen Mund, aus dem Anekdoten über die Liebe zu Messern und den Hang zu Selbstverletzungen perlten. Ihr wohlgeformter Körper diente Tätowiermeistern in aller Welt als Nadelkissen, und unvergessen blieb jener Kuss, den sie ihrem Bruder nach ihrem Oscar-Gewinn anno 2000 auf den Mund drückte - so sollten Männer nicht von ihren Schwestern geküsst werden. Kurz darauf heiratete sie einen neurotischen Schauspielerkollegen und trug dessen Blut an einem Kettchen um den Hals. Kaum hatten die beiden einen Jungen aus Kambodscha adoptiert, war es schon wieder aus. 2005 zerschnitt sie wie ein Tortenmesser die Ehe des süßesten aller Hollywoodpärchen, Brad Pitt und Jennifer Aniston, und machte die lange verleugnete Beziehung zu Pitt erst offiziell, als ihr Schwangerschaftsbauch hinter keiner Handtasche der Welt mehr zu verstecken war. Neben der im Mai einjährigen Tochter Shiloh wird Neuzugang Pax sich außerdem mit dem großen Bruder Maddox, 5, und der aus Äthiopien adoptierten Zahara, 2, anfreunden müssen.

"Ich weiß", sagte Jolie damals in Washington, "dass Sie einiges von mir gehört haben. Ich will Ihnen keine negative Aufmerksamkeit bescheren. Helfen Sie mir, ich zahle meine Flüge selbst." Ohne Begleitung, ohne Kameras reiste sie in UNHCR-Lager in Afrika, Pakistan, Kambodscha. Anfangs hatte sie Angst, nur im Weg zu stehen. Sie half den Mitarbeitern, die Wagen zu beladen. Sie war schüchtern, zu schüchtern für Kameras. "Ich dachte, wenn ich mich auf den Boden setze und mit diesen Frauen rede und das wird fotografiert, ist das Gespräch irgendwie entwertet." Heute zahlt sie ihre Flüge immer noch selbst, reist immer noch ohne Gefolge. Aber mit Fotografen. Ihre Erkenntnis: "Ich kann diese Menschen und die Orte ja gar nicht richtig beschreiben. Es ist am besten, man lässt die Leute für sich selbst sprechen - durch die Kameras. Und wenn ich ein bisschen Aufmerksamkeit für sie schaffe, weil ich bekannt bin, umso besser. Am Ende achtet man nicht mehr auf mich, sondern auf sie."
 
Nur eine PR-Masche?

Was sagt sie Kritikern, die Stars auf ihren Gutmensch-Touren in die Dritte Welt Elendstourismus vorwerfen? Die gut fotografierte Hilfsaktionen für PR in eigener Sache halten? "Ich weiß nicht, ob irgendeiner, der das sagt, in den letzten sechs Jahren mehr als 30 Lager besucht und Zeit mit den Menschen dort verbracht hat", antwortet Angelina Jolie achselzuckend. Sie wird hellhörig, wenn die Helfer sie kritisieren. Oder die Flüchtlinge. Aber all jene, die "einfach so aus dem Bauch heraus meinen, dass Künstler nichts mit Politik zu tun haben sollten", kann sie nicht ernst nehmen.
 
Über eine frühere Reise in den Tschad schrieb sie ein Tagebuch, das auf der Webseite des UNHCR veröffentlicht ist. Sie schildert darin in spröden Worten den unglamourösen Trip eines vermeintlichen Glamour-Girls, das zum Frühstück mit den Helfern Brot vom Vortag mampft und immer wieder Kindern begegnet, die ihr "Hawadjia" zurufen, Weiße. "Wenn ich sie zu lange ansehe, fange ich an zu weinen", schreibt sie.

Deutlich ist zu merken, wie das wilde Mädchen sich mehr und mehr in ein Star-Power-Paket verwandelt. Mit neuerdings mütterlicher Reife spricht "Hollywoods Hottest Mama" auf Wirtschaftsgipfeln und sitzt mit ausländischen Regierungschefs auf dem Sofa. Die umtriebige Person versorgt außerdem ihre kleinen Kinder, fliegt kleine Flugzeuge und wuppt irgendwo auch noch eine ganz und gar nicht kleine Hollywood-Karriere, die ihr immerhin rund 15 Millionen Dollar pro Film einbringt (ein Drittel ihres Einkommens spendet sie dem UNHCR). So hat sie gerade die Lebensgeschichte des in Pakistan ermordeten Journalisten Daniel Pearl abgedreht. Jetzt aber, verkündete sie am Wochenende, sei erstmal Schluss. Pax müsse sich eingewöhnen, er braucht seine Mutter. Angelina Jolie kann nicht jedem Kind helfen. Aber sie fängt schon mal gut an.

Quelle: http://www.stern.de/

 

 

Jolie zollt Flüchtlingen in Indien Respekt

NEU-DELHI, 6.10.2006 (UNHCR) " Bei einem Kurzbesuch hat UNHCR-Sonderbotschafterin Angelina Jolie Flüchtlinge aus Afghanistan und Myanmar getroffen, die ihr über ihre Flucht vor Verfolgung in der Heimat und das Leben in der indischen Hauptstadt Neu-Delhi berichteten.

Die US-amerikanische Schauspielerin war informell in Jeans und ein T-Shirt des UN-Flüchtlingskommissariats gekleidet. Sie nahm beim Spiel mit Flüchtlingskindern auf dem Fußboden Platz, nahm Anteil am schweren Schicksal einer alleinerziehenden Mutter und unterhielt sich mit Jugendlichen über die Schwierigkeiten und den Spaß beim Lernen einer neuen Sprache.

"Ich bin den Flüchtlingsfamilien dankbar dafür, dass sie Zeit mit mir verbracht und mir ihre Geschichten erzählt haben", sagte Jolie. "Sie sind bemerkenswerte und mutige Leute."

Am Samstag sah sich Jolie ein Beratungszentrum für Flüchtlingsfrauen im Westen Delhis an, wo Frauen aus Myanmar in einer sicheren Umgebung über ihre Probleme sprechen können.

Mithilfe der Beratungsstelle kann UNHCR seine Unterstützung für Flüchtlingsfrauen verbessern, etwa indem für medizinische Hilfe gesorgt oder der Schulbesuch der Kinder gesichert wird. Längerfristig soll vielen Frauen die Neuansiedlung in Ländern wie Australien, Kanada, Neuseeland, Norwegen und den USA ermöglicht werden. Zum größten Teil handelt es sich um Angehörige der Chin, einer christlichen Minderheit im buddhistischen Myanmar.

Jolie schrieb in ein dickes Notizbuch, während sie konzentriert burmesischen Flüchtlingsfrauen zuhörte, die erklärten, sie könnten nicht zurückkehren, solange die Militärregierung an der Macht ist. Währenddessen spielte ihr fünfjähriger Sohn Maddox auf dem Boden mit den burmesischen Kindern und überwand alle Sprachbarrieren beim Spiel mit Kreiseln.

"Es berührt mich sehr, wenn ich höre, wie diese Flüchtlinge verfolgt wurden", sagte Jolie. "Es ist klar, dass sie nicht heimkehren können, und es schwierig für sie, in Indien Fuß zu fassen. Zum Glück werden viele von ihnen schließlich in anderen Ländern aufgenommen."

Nach dem Gespräch mit zwei burmesischen Frauen bemerkte eine der beiden in schüchternem Ton: "Sie sehen aus wie eine Schauspielerin." Und die zweite fragte: "Sind Sie ein Filmstar""

"Deshalb bin ich in Indien: um einen Film zu machen", antwortete Jolie, "aber nach Delhi bin ich nur gekommen, um Sie zu besuchen. Ich empfinde es als Ehre, Sie treffen zu können. Sie sind sehr starke Frauen. Sie sind großartig."

In der indischen Hauptstadt erhalten insgesamt 11.400 Flüchtlinge direkte Hilfe von UNHCR.

Zu Gast bei einer burmesischen Frau, die mit ihren drei Kindern ein Zimmer teilt, ließ sich Jolie auf dem Holzbett nieder. Die Frau war nach der Verhaftung ihres Ehemannes mit den kleinen Kindern aus Myanmar geflohen. Sie sagte, in Indien könne sie nicht arbeiten, weil sie sich um die Kinder kümmern müsse.

"Das ist die härteste Arbeit", sagte Jolie, die selbst drei Kinder hat. "Es muss sehr schwierig für Sie sein, drei kleine Kinder in einem fremden Land großzuziehen."

Die Schauspielerin besuchte auch die Khalsa Diwan Welfare Society, eine Flüchtlingsorganisation von und für Afghanen, die der Sikh-Religion angehören. Dort wurden gerade Schneiderei-, Musik- und Englischklassen gegeben. Allein in Neu-Delhi leben 9.500 Sikh-Flüchtlinge aus Afghanistan. Sie wurden als Minderheitsangehörige in ihrem Heimatland verfolgt. Viele von ihnen leben seit fast drei Jahrzehnten in Indien. Die meisten der Jugendlichen die Jolie traf, wurden in Indien geboren und haben Afghanistan nie gesehen.

Angelina Jolie empfand es als tragisch, dass die afghanischen Flüchtlinge für so lange Zeit im Exil leben mussten. "Wir konzentrieren uns häufig auf Flüchtlingskrisen, aber wir vergessen, dass es Millionen von Flüchtlingen auf der ganzen Welt gibt, die Jahre und sogar Jahrzehnte außerhalb ihrer Länder verbringen müssen", sagte sie. "Die internationale Gemeinschaft muss stärker daran arbeiten, dass Lösungen für diese vergessenen Flüchtlinge gefunden werden."

Quelle: http://www.unhcr.de/

 


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