Cinema August 2005
Im Action-Ulk Mr. & Mrs. Smith bekriegt sich das schärfste Traumpaar Hollywoods bis aufs Messer. CINEMA wollte wissen, wie nahe sie sich dabei wirklich gekommen sind
Sie sind das heißeste Leinwandpaar dieses Sommers: Brad Pitt und Angelina Jolie liefern sich in Doug Limans Actionkomödie ?Mr. & Mrs. Smith" eine Eheschlacht der Superlative. CINEMA sprach mit dem neuen Dream-Team von Hollywood über das ungewöhnliche Konzept des Films, die Liebe als Schlachtfeld, ihren gemeinsamen Trip nach Afrika und die Gerüchte über ihre angebliche Romanze.
In ?Mr. & Mrs. Smith" geht es um ein Ehepaar, das nebenbei in der Killer-Branche tätig ist und sich schließlich gegenseitig abmurksen will. Das ist nicht gerade die Art von Ehe, wie sie Papst Benedikt vorschwebt.
Brad Pitt: Nein, ganz bestimmt nicht, aber der ist auch nicht unsere Zielgruppe. Wir erzählen im Grunde eine ganz simple Geschichte: Da ist ein Ehepaar, das sich nach sechs Jahren auseinander gelebt hat. Dann sollen sie sich gegenseitig umbringen, und dabei entflammt ihre Liebe neu. Klingt fast wie aus dem richtigen Leben.
Angelina Jolie: Ich weiß, es ist alles ein bisschen extrem. Aber in gewisser Weise ist jede Ehe eine Art Kampf. Wir spitzen diesen Kampf nur etwas zu. Ich war selbst zweimal verheiratet - ich kann mir ein Urteil erlauben.
Pitt: Das Konzept erinnert mich an bestimmte Filme aus den 80er Jahren. Damals bekriegten sich die Eheleute mit Worten. Wir gehen jetzt einen Schritt weiter und drücken ihnen Knarren in die Hand.
Ist ?Mr. & Mrs. Smith" eher eine Komödie oder eher ein Actionfilm?
Pitt: Für uns alle war wichtig, dass die Action nicht im Vordergrund stehen sollte. Der Film enthält zwar einige typische Actionszenen, aber in erster Linie geht es um Beziehungen und Partnerschaften. Wir nahmen uns Filme wie ?Midnight Run" zum Vorbild, in denen Komödie und Action gleichwertig nebeneinander stehen. Das ist zwar eine schwierige Gratwanderung...
Jolie: ... vor allem, weil ich mich für total unkomisch halte.
Pitt: Das ist ja das Komische an dir.
Jolie: Thanks, Honey.
Pitt: Wie gesagt, der Film ist ein Hybrid aus Komödie, Drama und Actionfilm. In einer frühen Entwicklungsphase war John Woo für die Regie vorgesehen. Das hätte den Action-Anteil mit Sicherheit erhöht. Doug Liman ist es gelungen, die Schwerpunkte etwas ausgewogener zu setzen.
Was ist das Geheimnis einer guten Ehe?
Pitt: Da fragen Sie den Falschen. Rufen Sie lieber einen Eheberater an.
Jolie: Mich sollten Sie das lieber auch nicht fragen (lacht).
Angelina, im Film gibt es eine Szene, in der Sie am Schießstand eines Rummelplatzes mit dem Gewehr absichtlich nicht treffen, um Mr. Smith nicht zu blamieren. Ist das ein typisch weibliches Verhalten?
Jolie: Nein. Ich denke, es ist ein typisch menschliches Verhalten. Jeder hat sich schon mal vor seinem Partner kleiner gemacht, um ihn nicht zu kränken oder bloßzustellen. Was nicht heißen soll, dass ich dieses Verhalten befürworte. Wir sollten immer unser Bestes geben und den anderen auch dazu ermuntern.
Pitt: Es gibt eine großartige Rede von Nelson Mandela, in der es heißt, wir sollen unser Licht nicht für jemand anderen verdunkeln. Sei alles, was du sein kannst.
Die Prügelszenen des Films sind mitunter sehr drastisch. Hatten Sie nicht manchmal Hemmungen, so brachial aufeinander loszugehen?
Jolie: Brad war am Anfang etwas unbehaglich zumute, weil er wusste, dass er richtig auf mich losgehen musste. Aber jeder am Set hat ihn ermutigt und gesagt: ? Hey, das ist doch nur Angelina. Glaub' mir, die haut dir zuerst eine rein." (lacht) Nach einer Weile führten wir über unsere Beulen und Prellungen regelrechte Strichlisten.
Wer lag zum Schluss vorne?
Pitt: Fragen Sie das lieber nicht.
Jolie: Darüber werden wir uns noch ewig streiten.
Pitt: Wenn du willst, können wir gleich damit anfangen.
Jolie: Sehen Sie? Es ist nicht so gut, uns so etwas zu fragen.
Angelina, haben Sie Ihre Stunts alle selbst absolviert?
Jolie: Ja. Brad und ich arbeiteten mit demselben Stuntcoordinator, den ich von ?Alexander" kenne und Brad von ?Troja". Es gab also eine Menge Vorkenntnisse, auf die wir aufbauen konnten. Für die Stunts brauchten wir drei Tage. Etwas in die Länge zog sich hingegen der Teil, in dem Brad und ich uns im Haus bekriegen und alles in Schutt und Asche legen. Allein an dieser Sequenz drehten wir vier Wochen.
Rechtzeitig zum Filmstart schwirren Gerüchte über eine angebliche Set-Romanze von Brad Pitt und Angelina Jolie durch die Lande. Was ist davon zu halten?
Jolie: Über Klatsch und Tratsch mache ich mir normalerweise keine Gedanken, aber in diesem Fall ist es einfach lächerlich, was da für ein Affentheater abgezogen wird. Mehr will ich dazu nicht sagen.
Sie kommen gerade von einer gemeinsamen Afrika-Reise zurück. Welche Eindrücke haben Sie mitgebracht?
Pitt: Auf diesem Kontinent spielt sich eine Katastrophe ab. Aids-Seuche und Armut nehmen ungeheuere Ausmaße an. Unsere Industrienationen sind aufgerufen, ihrer Verantwortung gerecht zu werden und die nötigen Hilfsmaßnahmen zu ergreifen. Deshalb bin ich so beeindruckt von Angies Arbeit für die UN. Wir können etwas verändern. Wir müssen etwas verändern. Es sind unsere Mitmenschen, die dort unter unsäglichen Umständen dahinvegetieren, und nur weil unsere News-Sender nicht täglich darüber berichten, heißt das noch lange nicht, dass uns das alles nichts angeht. Wir müssen die Leute wachrütteln, damit die Not in Afrika nicht noch mehr wächst. Das ist mein großes privates Anliegen.
Interview: Scott Orlin
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