Joy Celebrity Juni 2004

Sie war lange Hollywoods "Wild Child". Unberechenbar, exzentrisch. Doch seit Angelina Jolie (29) vor zwei Jahren ihren Sohn Maddox adoptierte, hat sie sich verändert. Sie ist weicher geworden, hat beim Interview eine sanfte und zufriedene Ausstrahlung, wirkt feminin und zugleich sehr stark. Sie ist schlank, aber nicht dürr wie früher - und trotz weiblicher Rundungen zugleich muskulös. Und: Sie ist auch ungeschminkt atemberaubend schön.
Sie sind eine der schönsten und begehrtesten Frauen Hollywoods, der Traum unzähliger Männer. Woran merken Sie, dass es der Richtige ist?
Da tue ich mich schwer, weil ich so hoffnungslos romantisch bin. Und ich habe mich schon oft getäuscht (lacht). Meine Ehe ist genau in dem Moment in die Brüche gegangen, als ich Mutter geworden bin. Das hat mein Leben auf den Kopf gestellt.
Sind Sie momentan verliebt?
Nein. Mein Sohn Maddox ist der Einzige in meinem Herzen. Ich habe keinen Freund, aber es gibt immer wieder Männer in meinem Leben. Schließlich habe ich auch Bedürfnisse. Ich brauche Sex, aber eben keinen Mann. Ich schlafe mit guten Freunden. Wir treffen uns in Hotels, haben dort unseren Spaß. Ich bringe keine Männer nach Hause.
Warum nicht?
Ich bin einfach sehr vorsichtig wegen Maddox, damit er sich nicht an verschiedene Männer gewöhnen muss. Ich möchte vermeiden, dass Maddox zu einem Mann eine Beziehung entwickelt und plötzlich verschwindet der Typ wieder. Oder dass Männer zu Maddox nur deshalb lieb sind, weil sie eigentlich mit mir ins Bett wollen.
Sie haben sich sehr verändert, seit Sie Mutter geworden sind. Wo ist Ihre wilde Seite geblieben?
Für mich ist es eigenartig, dass man mich interessant und wild empfunden hat, als ich völlig aus meinem Gleichgewicht war und verzweifelt vermitteln wollte, dass ich nach einem Sinn in meinem Leben suche. Tattoos oder Fallschirmspringen finde ich nicht wild. Für mich ist es wild, im Dschungel zu leben, sein eigenes Anwesen zu entminen und die Tiger auf dem eigenen Grundstück zu zählen. Das mache ich, wenn ich mit meinem Sohn in Kambodscha bin. Aber das findet man offenbar nicht so interessant.
Wie hat Ihr Sohn Maddox Ihr Leben verändert?
Drastisch. Ich verstehe das Leben und die Liebe auf eine ganz andere Art und Weise. Er bringt mir so viel Glück und Zufriedenheit. Nun hab ich ein Zentrum, mein Leben hat einen Sinn und ich muss auf der Suche danach nicht mehr in der ganzen Welt herumirren. Früher wollte ich nur aus dem Rucksack leben. Das ist vorbei. Im Herbst werde ich mich in London niederlassen. In der Schule ist Mad schon angemeldet und die Uniform - samt Krawatte und Hut -habe ich bereits gekauft. Bis dahin drehe ich in Los Angeles und das ist wunderbar, weil meine Mutter ihr Enkelkind genießen kann.
Was drehen Sie momentan?
Der Film heißt ?Mr and Mrs Smith". Brad Pitt spielt meinen Ehemann. Wir sind Auftragskiller, die Ehe ist schlecht und schrecklich langweilig, wir sind beim Therapeuten. Es ist eine tiefschwarze, sehr witzige Komödie.
Wegen der heißen Sex-Szenen wird Ihnen bereits eine Affäre mit Brad Pitt angedichtet...
So wie mit allen Film-Partnern, mit denen ich in letzter Zeit gedreht habe. Das passiert, wenn man Single ist und mit Männern arbeitet (lacht). Aber zu Brad: Er ist großartig. Es ist eine Freude, mit ihm zu arbeiten, weil er so lustig ist. Wir sind wie Bruder und Schwester. Und er ist die treueste Person, die ich kenne. Er würde Jennifer niemals betrügen.
Stimmt es, dass Sie für Maddox noch Geschwister planen ?
Ja, aber ich kann noch nicht wirklich darüber reden. Gerade werde ich in den USA erneut auf meine Eignung als Mutter geprüft - das fängt mit Fingerabdrücken an. Es war schon immer klar für mich, dass ich eine große Arbeitspause machen werde, wenn Maddox in den Kindergarten kommt. Mad ist mittlerweile schon sehr unabhängig und reif genug für ein Geschwisterchen. Darum ist für mich jetzt der ideale Zeitpunkt für ein weiteres Kind.
Warum ziehen Sie nach London?
Ich liebe England, die Menschen und die Lebensart. Mein Sohn ist aus Asien, wohin ich, genauso wie nach Afrika, oft reise. Von London aus ist es nicht so weit. Ich denke auch, dass man in Europa internationaler aufwächst. Ich kann dort ein normales Leben leben, selbst im Supermarkt einkaufen. Aber ich habe auch noch eine Wohnung in New York.
Und eine Bleibe in Kambodscha...
Stimmt, aber das ist eher wie ein Park. Dort beschützen Aufseher die Tiere und den Dschungel vor Ausbeutung. Wir wollen ermöglichen, dass alle Tier-Rassen, die durch den Krieg vertrieben wurden, wieder in diesen Dschungel zurückfinden. Wir arbeiten an vielen verschiedenen Projekten, auch mit den umliegenden Dörfern. Wir versuchen so einfache Dinge wie Kühe und Hühner für die Dorfbewohner zu organisieren. Maddox ist natürlich auf diesen Trips dabei. Später, wenn er älter ist, wird er mehr und mehr mit diesem Projekt zu tun haben.
Seine Zukunft haben Sie ja schon ziemlich gut verplant...
(lacht) Ich möchte, dass er mit seiner Kultur aufwächst. Deshalb soll er später auch seine Muttersprache Khmer lernen. Zuerst aber Französisch.
Stimmt es, dass Sie den Pilotenschein gemacht haben?
Daran arbeite ich noch. Ich hab schon viele Stunden hinter mir. Ich will mehr können als nur schauspielern. Es hilft mir auch bei meiner Arbeit für die UN. Ich kann mich als Pilotin nützlich machen, z.B. bei Hilfstransporten.
Die UN hat Sie letztes Jahr mit dem ?Citizen of the World"-Preis für Ihre Arbeit als UN-Botschafterin ausgezeichnet. Was bedeutet Ihnen das?
Es macht mich glücklich. Wenn ich morgen sterben würde, hätte ich etwas geschafft, worauf mein Sohn stolz sein kann. Ich liebe, was die UN vertritt, nämlich, dass alle Menschen gleich sind. Diese Auszeichnung sagt mir, dass ich meinen Job gut mache.
Zurück zum Film. In "Alexander" spielen Sie die Mutter von Colin Farrell, obwohl Sie nur ein Jahr älter sind.
Zuerst dachten wir alle, das sei eine verrückte Idee. Ich altere zu einer 52-jährigen Frau, Colin spielt meinen 19-jährigen Sohn. Wenn irgend jemand sagt, ich sehe nicht alt genug aus, dann soll er sich meine Mutter anschauen. Sie ist 56 und sieht viel besser aus als ich in dem Film. Ich mochte das Älterwerden, ich freu mich schon drauf.
Wer berät Sie beruflich?
Ich höre stets auf meine Mutter, habe keinen Agenten oder PR-Manager. Ich denke und spreche selbst für mich.
Am 13. August machen Sie als Fackelträgerin bei der Olympiade in Athen mit. Wie kam es dazu?
Ich wurde darum gebeten, weil ich Goodwill-Botschafterin der UN bin. Ich empfinde es als Ehre, mit der olympischen Fackel zu laufen und damit ein Zeichen der Hoffnung für die Flüchtlinge in aller Welt zu setzen.
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