cinema online, Juli 2000
Für "Nur noch 60 Sekunden" haben Sie sich entschieden, eine Frisur mit Dreadlocks zu tragen. Warum?
Ich glaube, dem Publikum gefällt es, wenn Schauspieler immer wieder anders aussehen. Man sieht einen Schauspieler in so vielen Filmen, und immer ist er der gleiche. Dabei schlägt dann die Person des Schauspielers durch, und es ist schwer anzunehmen, er sei jemand anderes. Jede Veränderung hilft, eine neue Person zu schaffen. Ich fand, die Frau in "Nur noch 60 Sekunden" sollte aussehen wie ein Ferrari. Und so sieht für mich ein Ferrari aus: Sie sollte eines dieser sexy Girls sein mit engen Hosen und langem Haar, das sie nie wäscht - deshalb die Dreadlocks.
Wie fand denn der Regisseur diese Entscheidung?
Zunächst dachten die Filmemacher, ich wäre verrückt, aber dann fanden sie es okay.
Inwieweit sorgen Sie sich im wirklichen Leben um Ihr Aussehen?
Mein Aussehen richtet sich normalerweise nach dem Film, den ich gerade drehe. Ansonsten nehme ich kaum Make-up und trage Jeans und T-Shirts. Um mein Outfit kümmere ich mich nur wenig. Ich versuche, das zu ändern, aber ich bekomme fast einen Nervenzusammenbruch, wenn ich shoppen gehen muss. Als ich früher mit meiner Mom einkaufen war, musste sie mich manchmal draußen lassen, weil ich das Ganze nicht mehr ausgehalten habe.
"Nur noch 60 Sekunden" handelt von schnellen Autos. Wie stehen Sie zu Autos? Fahren Sie noch immer Ihren ersten Wagen?
Ja, ich habe immer noch den alten Pick-up-Truck. Der ist genau das Richtige für mich. Ein Ferrari wäre zu gefährlich, da ich so gerne über die Straßen rase. Ich gehöre zu den Menschen, die sich ins Auto setzen, wenn sie frustriert sind und einfach drauf losfahren. Dabei höre ich Musik und singe mir die Kehle aus dem Hals.
Vor "Nur noch 60 Sekunden" haben Sie "Durchgeknallt" gedreht. War das nicht ein krasser Gegensatz?
Nach "Durchgeknallt" wollte ich eine einfache Figur spielen. Für "Nur noch 60 Sekunden" musste ich mich nicht besondes einsetzen. Es hat Spaß gemacht, dass ich ohne große Vorbereitung spielen konnte. In "Nur noch 60 Sekunden" geht es hauptsächlich darum, Spaß zu haben, und ich hoffe, dass das rüberkommt. Wir hatten auch jede Menge Spaß bei den Dreharbeiten. Nic (Nicolas Cage) und ich lachten und kicherten die ganze Zeit.
Bis dahin haben Sie aber immer recht anspruchsvolle Rollen gespielt. Was bringt Ihnen ein Film wie dieser überhaupt?
Ja, fast alle sagen, eine seriöse Schauspielerin sollte solch eine Filmrolle ablehnen. Aber ich habe es einfach gebraucht, mal etwas Leichtes zu drehen, das mich nicht so fordert. Gerade nach den Anstrengungen und Emotionen von "Durchgeknallt". Außerdem wollte ich in der Nähe meiner Familie sein, und der Film wurde ja in L.A. gedreht. Ich dachte einfach, daß der Film Spaß bringen würde und mal ein anderes Publikum anspricht.
Was haben Sie aus Charakterrollen wie in "Durchgeknallt" gelernt?
Alles in meinem Leben hat sich geändert, seit ich diesen Filme gemacht habe. Inzwischen habe ich eine echte Basis gefunden, und dann gibt es da noch meinen besten Freund - jemand der mir Halt gibt und auf alle Fragen eine Antwort weiß, wenn ich den Verstand verliere. Ich fühle mich stärker als je zuvor.
Sie haben gerade Billy Bob Thorton geheiratet. Haben Sie in ihm eine verwandte Seele gefunden?
Ja, obwohl ich an sowas früher nie gedacht hätte. Ich meinte immer, wir wären nur auf diesem Planeten, um zu arbeiten und zu leben, aber nicht wirklich, um zu lieben. Ich habe nie daran geglaubt, jemanden wie Billy Bob zu begegnen. Wir haben so viel gemeinsam. Er hält mich auf dem Boden.
Haben Sie sich bei den Dreharbeiten zu "Turbulenzen - und andere Katastrophen" verliebt? Sie beide spielen da ein Ehepaar...
Ich habe ihn schon vorher kennen gelernt. Seine Arbeit habe ich aber schon immer bewundert. Als ich ihn das erste Mal sah, war es, als wäre ich buchstäblich gegen eine Mauer gelaufen. Ich konnte nicht mehr atmen, und ein bizarres Gefühl kam über mich. Ich habe ihn nur angestarrt und wusste nicht, warum.
Macht es Ihnen nichts aus, dass er um einiges älter ist als Sie?
Ich mache mir keine Gedanken darüber, ob jemand älter oder jünger ist. Mit uns beiden klappt es einfach. Er hat vieles erlebt, was ich auch durchgemacht habe. Deshalb kann ich eine Menge von ihm lernen. Er ist einfach großartig. Er steht für das ein, an das er glaubt und ist ganz sich selbst. Er gibt mir das Gefühl, eine richtige Frau zu sein und ist dabei so sexy.
In "Nur noch 60 Sekunden" klauen Sie jede Menge Autos. Was war das Einfältigste, das Sie jemals gestohlen haben?
Oh Gott! Mit einer meiner Freundinnen entwendete ich einmal das Auto ihrer Mutter, um eine Runde damit zu fahren. Danach schrieb meine Schulkameradin einen Aufsatz darüber. Bei der Abschlussfeier nach der achten Klasse fragte mein Lehrer meine Eltern: "War das nicht eine wilde Sache, als Angie das Auto gestohlen hatte?" Das war ein Schock für meine Eltern. Darüber bin ich noch immer nicht hinweg (lacht). Ich habe niemals wirklich etwas gestohlen. Ich möchte mich nicht am Eigentum anderer bereichern.
Mit Dreads und Nicolas Cage Während der Dreharbeiten konnten Sie jetzt einiges über das Stehlen von Autos lernen...
Ja, ich habe dabei mehr gelernt, als ich erwartete. Es gibt verschiedene Arten, ein Auto zu knacken, je nachdem was für ein Alarmsystem es hat. Aber inzwischen könnte ich eines in wenigen Minuten klauen.
Bald stehen Sie wieder für eine völlig andere Rolle vor der Kamera: Sie werden Lara Croft spielen - in einem Film, der auf dem Videospiel "Tomb Raider" basiert.
Ja, das ist eine großartige Rolle für eine Frau. Lara steht für alles, woran ich glaube. Für meine Generation gibt es nicht viele Abenteuer. Es gibt keinen Sinn für Revolution oder besondere Ziele. Stattdessen aber jede Menge Hilflosigkeit. Um Geschichte oder Kultur kümmert sich kaum jemand. Es geht nur noch darum, Geld zu machen. Ich hoffe, Lara wird den Abenteurergeist neu wecken.
Wie bereiten Sie sich auf die Rolle vor?
Ich übe und trainiere eine Menge: Ich lerne Anstands- und Benimmregeln, da Lara eine besondere Erziehung genoss. Zudem trainiere ich Kickboxing, Yoga und Tiefseetauchen. Ich finde das großarig. Lara ist so stark! Ich fordere mich selbst heraus, um zu sehen, wie weit ich ihr nacheifern kann.
Werden Sie sich stark an das Video-Konzept halten?
Unser Computerteam meinte, wir werden sehr dicht daran bleiben. Ich glaube aber, unsere Lara wird noch tougher.
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