gold.de, September 2000
Die Wildheit von Madonna, die Schönheit von Cindy Crawford, das Talent von Meryl Streep und die Frechheit von Muhammed Ali - Hollywood hat endlich wieder einen weiblichen Superstar: Angelina Jolie, die neue Heldin der Online-Generation.
Angelina Jolie heißt übersetzt schöner Engel. Und tatsächlich übertreffen sich Journalisten gegenseitig mit Superlativen, wenn sie über die 25-jährige Schauspielerin berichten: Vom "sexiest thing on two legs" sprach die "Sunday Times", andernorts besang ein US-Journalist ihren "waffenscheinpflichtigen Körper" und entdeckte "Lippen wie zwei aufeinander gestapelte, rote Schlauchboote". Nicht nur die internationale Presse feiert den neuen Hollywood-Star: jetzt erobert Jolie die Herzen der Generation @. Kaum ein Star hat im Internet mehr Fan-Sites als sie, über 43.400 sind es, und täglich kommen neue Seiten hinzu.
Aber warum ist gerade Angelina Jolie die Ikone der Web-Generation? Was fasziniert die Internet-User weltweit so sehr an dem exzentrischen Star? Vermutlich ist es neben ihrem blendenden Aussehen die Ungezähmtheit der selbst ernannten Rebellin. Angelina Jolie ist das "Bad Girl" der Saison. Die wildesten Storys ranken sich um ihre Person: Mit Bruder Jamie Haven soll sie leidenschaftlich auf den Oscar-Partys geknutscht haben, Sado-Maso-Messerspiele soll sie lieben, Sex als Kampfritual betrachten und gern auch mal mit Frauen ins Bett gehen. Sie ernähre sich ausschließlich von Rib-Eye-Steaks und Zigaretten, gibt sie bekannt. Gerüchte über eine angebliche Drogensucht und riskante Motorrad-Rennen untermauern ihr Image als "Wild Thing". Ein Übriges tun ihre insgesamt neun Tattoos. "Quod me nutrit me destruit" (Was mich nährt, zerstört mich) soll auf ihrem Bauch stehen, ein Drache ihren Oberarm und das japanische Zeichen für Tod ihre Schulter zieren. "Wenn wir nicht provozieren würden, würden wir uns nur noch in unseren beschissenen Häusern verbarrikadieren. Wir sind auf dieser Welt, um uns und andere besser kennen zu lernen", begründet sie ihr herausforderndes Auftreten. Und um Erfolg zu haben, möchte man anfügen.
Als Angelina drei Jahre alt ist, verlässt der Vater Jon Voight die Familie. Sie wächst mit ihrem zwei Jahre älteren Bruder Jamie Haven bei der Mutter auf. Mit 16 zieht sie von zu Hause aus und schlägt sich mit zahlreichen kleinen Nebenrollen in B-Movies und mit ebenso zahlreichen Affären durch. Sie modelt, tritt in den Videos von Lenny Kravitz ("Stand By My Woman"), Meat Loaf ("Rockn Roll Dreams Come True") und den Rolling Stones ("Has Anybody Seen My Baby") auf. Der erste durchschlagende Erfolg gelingt ihr mit dem US-Fernsehdrama "Gia", in dem sie ein bisexuelles, heroinabhängiges und zudem auch noch aidskrankes Model spielt. Für ihre schauspielerische Leistung erhält sie einen Grammy. Der große Durchbruch kommt schließlich Anfang dieses Jahres mit dem Psychothriller "Der Knochenjäger", in dem sie an der Seite von Denzel Washington eine junge Polizistin spielt.
Zuletzt war Angelina Jolie in drei Filmen gleichzeitig zu bewundern: In "Leben und lieben in L.A." (mit Dennis Quaid und Sean Connery) einem Episodenfilm rund um das Thema Liebe und Beziehungen, geht sie als Großstadt-Single auf Männerjagd. In der Fluglotsen-Komödie "Turbulenzen" (mit Ehemann Billy Bob Thornton) verführt sie im Trash-Outfit Filmpartner John Cusack. Und in "Durchgeknallt" treibt sie als Patientin einer Nervenheilanstalt das Pflegepersonal in den Wahnsinn und knutscht mit Leidensgenossin Winona Ryder. Als beste Nebendarstellerin wurde sie für ihr Spiel in diesem Film mit einem Oscar geehrt.
Ihr größter Coup aber steht noch aus: Im Sommer 2001 wird Angelina Jolie endgültig die coolste Frau des 21. Jahrhunderts sein, denn dann verkörpert sie auf der Leinwand die Ikone der Computerspiel-Generation: Lara Croft. Wen sie für diese Heldinnenrolle von der Besetzungsliste geboxt hat? Keine Geringeren als Catherine Zeta-Jones, Sandra Bullock und Demi Moore. Die ganze Hollywood-Damenriege eigentlich. Sonst noch Fragen?
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