Online Today, Juni 2000
"Das müssen wir unbedingt sehen. Obwohl der Film bestimmt schrecklich wird..." So etwa empfinden "Tomb Raider"-Fans in aller Welt die Lage. Dass Oscar-Preisträgerin Angelina Jolie in die Rolle der Lara Croft schlüpft, beeindruckt die Fangemeinde des berühmten Avatars wenig: "Lara ist eine digitale Persönlichkeit. Wer eine Frau sehen will, die sich als Lara verkleidet, soll seine Freundin darum bitten", urteilt David Chandler gnadenlos im Usenet. Sind Laras Fußstapfen zu groß?
So fragwürdig die Realverfilmung an sich sein mag - Jolie sticht unter den Konkurrentinnen hervor: Angelina ist gelenkig und durchtrainiert, mit 25 noch jung und nicht zu berühmt, hat aber mit "Durchgeknallt - Girl, Interrupted" schon einen Oscar als beste Nebendarstellerin ergattert. Und vor allem: Sie ist selbst auch durchgeknallt und eigenwillig genug - eine klasse Lara Croft! Durch "Tomb Raider" wird Angelina vermutlich zum Megastar aufsteigen. "So etwas kann man nicht voraussagen. Und - ehrlich gesagt - ich denke darüber auch nicht nach", wehrt die Lara-Mimin ab. Grund für ihre Zurückhaltung könnte sein, dass Hollywood-Star Jon Voight ("Mission Impossible") ihr Vater ist: "Der Star-Status machte ihn in meinen Augen nicht zu etwas Besonderem. Ich liebe ihn, weil er der Mensch ist, der er ist. Ich will wie er einfach nur eine Art Zulieferer für die Kunst des Filmemachens sein."
Den berühmten Nachnamen ihres Vaters legte Angelina ab, denn sie wollte ihn nicht für die Karriere nutzen. Jolie ist in Wirklichkeit ihr zweiter Vorname. Gut für die Karriere war Lee Strasberg - an seinem berühmten Actors Studio lernte Angelina ihr Handwerk. Die Ehe mit John Lee Miller, ihrem Co-Star aus "Hackers - Im Netz des FBI", scheiterte, ihre Freude über ihre Presiverleihungen bei den Golden Globes und den Academy Awards teilte sie mit ihrem Bruder James Haven Voight, der Regie studierte.
Angelina ist zwar derzeit solo ("Naja!" - Anm. von angelina-jolie.de) - aber interessiert: "Ich achte darauf, ob meine Feuchtigkeitscreme gut schmeckt, falls mich mal jemand probieren möchte!"
Ulrich Hoffmann
Mehr als ein Pin-Up-Girl
In diesen Tagen beginnen die Dreharbeiten zum Kinofilm "Tomb Raider". Lara-Darstellerin Angelina Jolie gab ONLINE TODAY vorab ein Exklusiv-Interview.
Wie erklären Sie sich, dass Sie den Zuschlag für die heiß begehrte Rolle der Lara bekamen?
Vielleicht wurde ich ausgewählt, weil ich körperlich einiges zu bieten habe.
Sie sprechen von Laras phänomenaler Oberweite?
Nein, natürlich nicht. Ich spreche davon, dass ich physisch aktiv und fit bin, was bei einem Film dieses Genres sehr wichtig ist.
Haben Sie eine besondere Art von Workout-Programm, um sich auf den Film vorzubereiten?
Ja, endlos. Etwa seit März trainiere ich täglich. Jeden Morgen Streckübungen, Kickboxing, Bodenturnen. Und als die Dreharbeiten meines letzten Filmes zu Ende waren, konnte ich auch wieder zu meinen üblichen Aktivitäten zurückkehren: Motorcycling, Sky-Diving, Ballett, Bungee-Jumping und Rock-Climbing. Direkt vor dem Drehstart absolviere ich dann noch gut einen Monat lang ein Intensivtraining.
Kannten Sie "Tomb Raider" schon bevor die Diskussion über die Besetzung der Lara losging?
Ja. Eine Menge Leute in meinem Bekanntenkreis spielen das Game mit Begeisterung, und ich war immer ganz hingerissen von Lara. Sie können sich sicher vorstellen, wie verrückt ich es finde, jetzt in die Rolle der Lara zu schlüpfen.
Haben Sie selbst denn jemals "Tomb Raider" gespielt?
Habe ich, ja. Aber darüber reden wir lieber nicht. Ich war unglaublich schlecht.
Was war ausschlaggebend für Ihren Entschluss, die Rolle anzunehmen?
Ich habe noch nie gesehen, dass eine Frau auf der Leinwand so porträtiert wurde, wie wir und meine Rolle vorstellen.
Und wie wird das aussehen? Was wird die Live-Action-Lara von der animierten Lara unterscheiden?
Ich werde sie etwas ernsthafter darstellen, als sie im Game rüberkommt. Unsere Lara soll so eine Art weiblicher Indiana Jones werden. Augenzwinkernd, aber mit durchaus ernstem Hintergrund. Ich kann mir vorstellen, dass sie so zu einer Art Leitfigur für junge Frauen werden könnte.
Ein groteskes Cyber-Pin-Up als Leitbild für junge Frauen?
Sie soll eben nicht nur ein Pin-Up sein. Dass eine Frau zu all diesen Abenteuern herausgefordert wird und dann diese Aufgaben auch noch meistert, ist ja schon Beweis genug. Lara Croft wird physisch sehr viel bringen, gleichzeitig wird sie auch clever und klug sein. Und glaubwürdig. Sie soll Spaß machen, ohne dabei eine Karikatur zu sein.
Elmar Biebl
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