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Pro 7 Online, August 2000
 

Sie gilt als ein bisschen sonderbar und als Frau mit vielen Gesichtern. Mal wird sie für ihre unzähligen Tätowierungen kritisiert, dann sagt man ihr ein zu inniges Verhältnis zu ihrem Bruder nach. Angelina Jolie stören diese Schlagzeilen nicht. Die Tochter von Kino-Veteran Jon Voight liebt und lebt die Schauspielerei wie keine zweite in dieser Branche. Im März bekam die 25-Jährige einen Oscar für den Part. Spätestens seit der Verleihung gilt sie als der neue Superstar in Hollywood. Und nach privaten Pleiten scheint sie mit ihrem Schauspiel-Kollegen Billy Bob Thornton (44) auch den Mann fürs Leben gefunden zu haben. Die beiden heirateten unlängst in einer Kirche in Las Vegas. Für Thornton ist es die fünfte Eheschließung, für Jolie die zweite.
 

ProSieben Online: Jede junge Schauspielerin in Hollywood wollte die Rolle der Lisa in "Durchgeknallt - Girl, Interrupted" spielen. Was hat Sie an der Figur gereizt?

Jolie: Es ist nicht so, dass ich die Rolle wollte, ich habe Lisa gebraucht. Ich konnte mich total mit ihr identifizieren. Ich habe meinen Charakter geliebt.
 

ProSieben Online: Was ist es denn in Lisa, das sie so geliebt haben?

Jolie: Alles in Lisa bin auch ich. Ihre Geschichte ist meine Geschichte, ihr Leben ist mein Leben.
 

ProSieben Online: Und wie war die Zusammenarbeit mit Winona Ryder?

Jolie: Prima. Ich mag sie sehr gerne, nicht nur als Kollegin, auch als Freundin. Es gab mal eine Zeit in meinem Leben, da wäre es wahrscheinlich nicht besonders gut für Winona gewesen, mich zu kennen. Aber das ist jetzt vorbei.
 

ProSieben Online: Sie sind bekannt dafür, dass Sie ziemlich gewagte, oft feurige Charaktere spielen. Sind Sie auch privat ein eher mutiger Mensch, der viele neue Dinge ausprobiert?

Jolie: Ich glaube, die Menschen wollen sich eher die wilden Anekdoten aus meinem Leben merken. Normalität ist immer ein bisschen langweilig, aber auch ich habe meine Balance im Leben. Nur scheint diese Balance niemanden so wirklich zu interessieren.
 

ProSieben Online: Winona Ryder erzählte, dass sie freiwillig einige Zeit in einer psychiatrischen Abteilung verbracht hat. Ist Ihnen Ähnliches widerfahren?

Jolie: Ich durchlebe Phasen, in denen ich meine eigene Therapie anwende. Dann kapsele ich mich von Freunden und Familie ab, bin ganz für mich allein.
 

ProSieben Online: War es für Sie unvermeidbar, Schauspielerin zu werden?

Jolie: Es war wahrscheinlich so ähnlich wie bei vielen anderen Kollegen. Mein Vater hat mich niemals gepusht, aber irgendwie wusste ich nie so richtig, was ich werden sollte - und so bin ich eben Schauspielerin geworden.
 

ProSieben Online: Sie sind eine Schauspielerin, die sich extrem mit ihren Rollen identifiziert. Glauben Sie nicht, dass das manchmal ein bisschen gefährlich ist?

Jolie: In der Vergangenheit war es tatsächlich ein bisschen gefährlich. Vor allem, wenn der Dreh beendet war und ich auf einmal nicht mehr diese Person sein sollte. Damit hatte ich immer unglaublich große Schwierigkeiten. Jetzt kann ich damit ganz gut leben.
 

ProSieben Online: Stimmt es, dass Sie die Schauspielerei für einige Zeit aufgegeben haben?

Jolie: Ja, das war nach dem Film "Gia". Da habe ich eine Auszeit genommen, bin nach New York gezogen, habe viel gelesen und meinen Schädel kahl geschoren.
 

ProSieben Online: Warum haben Sie aufgehört?

Jolie: Ich dachte damals, ich habe nicht mehr viel als Schauspieler zu geben. Ich hatte irgendwie kein richtiges Privatleben mehr. Die Charaktere waren zu sehr in meinem Kopf. Das war zu viel für mich.
 

ProSieben Online: Was haben Sie in der Auszeit noch gemacht?

Jolie: Ich bin zur Uni in New York gegangen. Habe dort meine Zeit in der Filmhochschule abgerissen und leider viel zu wenig gelernt. Irgendwie war ich auf der Suche nach mir selbst.
 

ProSieben Online: Sie sind demnächst in einem Streifen mit Nicolas Cage zu sehen, stimmt das?

Jolie: Ja, der Film heißt "Gone in 60 Seconds".
 

ProSieben Online: Worum geht's?

Jolie: Wir spielen professionelle Autodiebe. Es ist ein Action-Film mit viel Adrenalin auf der Leinwand.

 

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