Rolling Stone, Juli 2001
Als Fleisch gewordene Lara Croft ist sie das Aushängeschild im neuen Blockbuster Tomb Raider, doch zur Hollywood-Ikone fühlt sie sich nicht berufen. In Amerika machen sie und ihr Ehemann Billy Bob Thornton eher durch unkonventionelle Paarungsrituale von sich reden. Bei denen durchaus auch mal Blut fließen darf...
Teil 1 - Das Schlafzimmer
Harry - manchmal auch "Fat Harry" genannt, eigentlich ein Weibchen (was Angelina Jolie konsequent ignoriert, da ihr ein Männchen lieber wäre), großer Fan von Kürbiskuchen und überdies eine Ratte - lebt einen Meter neben dem Bett von Jolie und Thornton. Harry war ein Geschenk des Ehemanns an seine Frau und verbringt seine Tage und Nächte in einem Käfig. Manchmal darf er zum Spielen raus. "Billy fand mich mal auf dem Badezimmerboden sitzend, wie ich die Ratte mit Kürbiskuchen fütterte", erinnert sich Jolie. "Das ist etwas, das nur jemand süß finden kann, der mich wirklich liebt." Sie betont, dass Harry, sollte er je entwischen, ordentlich versohlt würde - er ist eine verzogene kleine Beverly-Hills-Ratte. Neben Harrys Käfig stehen zwei Zelte, in denen kürzlich die beiden Söhne ihres Mannes Billy Bob Thornton campierten, als diese zu Besuch da waren. "Wir fuhren übers Wochenende zum Zelten", erklärt Jolie. Nach dem Ausflug blieben die Zelte aufgebaut, weil... sie ihnen gefallen. Mal was anderes. Gestern Abend ist sie in einem der Zelte eingeschlafen. Unterm Bett verborgen liegt das Messer, das Jolie gern in Reichweite hat, einfach um sich im Schlaf sicherer zu fühlen. Am Fußende, neben dem Fernseher, stapeln sich "King Of The Hill"-Videos, die sie und Thornton mit Begeisterung anschauen. Über dem Bett hängen eingerahmt die Worte: "Bis ans Ende der Zeit". Diesen Spruch hat Jolie ihrem Mann zu Weihnachten geschenkt. "Es geht nämlich nicht nur um dieses Leben oder um die nächsten paar Jahre", erläutert sie. Geschrieben hat sie diese bedeutungsschwangeren Worte mit ihrem eigenen Blut. Vor der Rückkehr ihres Gatten in dieses seltsame, aber glückliche Heim verrät Jolie mir ihre Pläne für den Abend. Als erstes wird man sich bei einem Lieferservice etwas zu essen bestellen. Dann werden sie "King Of The Hill" gucken. "Und sollte dann zufällig ein Priester vorbeikommen, lassen wir uns im Pyjama trauen", sagt sie ganz sachlich. Jolie hat gerade einen Vormittag voller Meetings für den Film "Tomb Raider" hinter sich, in dem sie die Cyber-Heldin Lara Croft spielt. Sie hatte sich schon schwer getan, Star eines Action-Streifens zu werden, aber mit den anschließenden Marketing-Kampagnen hatte sie echte Probleme. Als sie die ersten Entwürfe für diverse Merchandising-Produkte zu sehen bekam, "musste ich mich echt zusammenreißen, um nicht loszuheulen. Ich dachte: " Warum hat man ein Gewehr genau zwischen meinen Beinen platziert? " oder " Meine Brüste sind groß genug - warum hat man die noch größer gemacht?" Ihre Empörung war nicht gespielt, denn sie fühlt sich Lara Croft sehr verbunden: "Es gefällt mir nicht, wenn man so mit ihr umspringt. Wir sind uns total ähnlich." Die Marketing-Männer witzelten, sie solle besser um entsprechende Läden einen Bogen machen. Jolie schüttelt den Kopf: "So stell ich mir mein Leben nicht vor." Sie sagt, dass sie auf die Sorte Ruhm pfeife, die es ihr verbiete, sich ganz normal mit normalen Leuten zu treffen. "Das könnte mich glatt...", sie hält inne, "...in die Psychiatrie zurück bringen." Sie grinst, und ich nehme das als gewagte Metapher. Ein Irrtum. Thornton kommt nach Hause. "Ich hab dich vermisst", sagt sie. "Ich dich auch, Süße", antwortet er. Sie küssen sich, und während sie einander von den Ereignissen des Tages erzählen, gleiten ihre Finger gedankenverloren am Reißverschluss seiner Hose auf und ab. Sie hat eine Frage. "Wollten wir nicht heute abend heiraten?" Thornton dreht sich zu mir und sagt erklärend: "Wir heiraten hin und wieder." und fügt hinzu: "Wir sind natürlich auch schon verheiratet, Wir sind so was von verheiratet." (Die erste Zeremonie, bei der Jolie, 26, und Thornton, 45, den Bund fürs Leben schlossen, fand am 5. Mai 2000 in Las Vegas statt.)
Teil 2 - Das Wohnzimmer
Das Wohnzimmer, in dem der größte Teil unseres Gesprächs stattfindet, ist weitgehend leer - bis auf die Ledersofas und den Tisch vor dem offenen Kamin, den Kugelsessel, den Elvis-Presley Altar neben der Tür und die beiden gerahmten Zeichnungen und Gedichte von Jolies Vater Jon Voight anlässlich der Trauung des Paares. Auf dem Tisch liegen ein paar Spielzeuge, unter anderem ein Schwein auf einem Skateboard, ein Geschenk von Thornton. "Er dachte, ich fänd das witzig", sagt sie. "Stimmt auch." Am gegenüberliegenden Ende des Raumes steht noch ein lebensgroßes Pferd. Später erzählt sie, wie sie sich das erste Mal in ihrem Leben eine Wohnung gekauft hat, auch hier in Los Angeles. Sie war 19. "Ich wollte damals nicht wirklich leben", sagt sie. "Von daher machte mich jede langfristige Investition eher wütend... aber ich war auch einfach traurig. Wenn dich die Hoffnungslosigkeit befällt, dann machen dich Armaturen und Fliesen erst richtig fertig. Ich saß auf dem Boden und heulte, weil ich die Farbe für den Teppich aussuchen sollte und dachte, ich würde gar nicht mehr erleben, dass er mal ausgerollt wird. Ich konnte nicht schlafen. Ich wollte immer schon heller brennen und schneller sein als alle um mich herum, immer. Jetzt teile ich mein Leben tatsächlich mit jemandem, der wilder brennt und weniger schläft als ich, der genauso intensiv leben muss. Das entspannt mich, weil ich mir neben ihm nie verrückt vorkomme - und dabei kam ich mir voher immer total verrückt vor." Weil er noch verrückter ist? "Weil wir beide verrückt sind. Ja. Aber auch, weil er ein wirklich guter Mensch ist und mir das Gefühl gibt, auch ein guter Mensch zu sein... Wenn man's gelegentlich mal richtig krachen lässt, Tattoos auf beiden Armen oder ein Messer in der Tasche hat, dann denken die Leute oft, man könne nicht gleichzeitig liebevolle Freundin oder eine wirklich gute Ehefrau sein. Unvorstellbar für sie, dass solch eine Person auch mal einfach nur in den Arm genommen werden oder die Zeit mit ihren Kindern verbringen will... Für mich war die Erkenntnis wichtig, dass man nicht von heute auf morgen ein reifer Mensch und sesshaft wird. Dass das jeder auf seine Weise bewerkstelligen muss." Als Jolie damals angesichts der Sinnlosigkeit, sich in einer beängstigenden Welt mit Einrichtungsproblemen befassen zu mussen, in Tränen ausbrach, tat sie dennoch das Richtige und wählte einen Teppich aus. "Dunkelgrau", erinnert sie sich. "Ich wollte nichts allzu Fröhliches. Es war ein sehr, sehr dunkles Grau."
Sie kam als Angelina Jolie Voight zur Welt, wenngleich ihre Eltern sie immer nur Angie riefen. Ihre früheste Erinnerung ist der Blick aus ihrer Wiege gen Himmel. Wilden Wind, Luft und Himmel mochte sie immer. "Ich hab mein Leben lang aus dem Fenster geschaut und von einem Ort geträumt, an dem ich glücklich sein konnte. Ich gehörte woanders hin. Seit ich mit Billy zusammen bin, tu ich das nicht mehr." Ihr Vater war Schauspieler - für seine Rolle in "Coming Home" gewann er 1979 einen Oscar. Ihre Mutter war ebenfalls Schauspielerin, wenngleich weniger erfolgreich. Die Eltern trennten sich, als Angelina gerade ein Jahr alt war. Sie lebte mit ihrer Mutter und ihrem Bruder Jamie in L.A., zog für einige Zeit an die Ostküste, dann mit neun oder zehn wieder zurück nach L.A. Beide Eltern haben nicht wieder geheiratet. "Sie sind aber sehr gut befreundet", sagt Jolie. "Wahrscheinlich sind sie die engsten Freunde, die man sich denken kann. und sie finden's sicher komisch, wenn sie das lesen, aber es stimmt." Es gibt Videofilme, die Klein-Angelinas Faible für Plastik-high heels, Glimmer und Fransen dokumentieren, aber ihre Girlie-Phase währte nicht lange. Als Michael Jacksons "Thriller"-Ära begann, war Angelina dabei. "Ich kaufte jede Menge Leder", erinnert sie sich, "schwarzes und rotes Leder. Hundehalsbänder. Solche Sachen." Ein Kindheitstrauma, das ihr Glück zerstört hätte, hätte es nie gegeben, betont Jolie. Ihr Glück schwand dennoch. Sie erinnert sogar noch genau den Tag, ab dem ihr nichts mehr Spaß machte. Sie war zehn, spielte mit einer Freundin und versuchte, sich in die Phantasiewelt zu beamen, in der solche Spiele nun mal ablaufen, aber es funktionierte nicht mehr. Vielleicht wuchs sie zu schnell auf. Mit 13, sagt sie, wünschte sie sich zum ersten Mal, "am liebsten gar nicht vorhanden zu sein". "Das war, als mich die Realität des Lebens traf. Die Realität des Überlebens." Mit 14 hatte sie für zwei Jahre einen festen Freund. Die beiden wohnten eine Zeit lang zusammen im Haus ihrer Mutter, aber es war keine sehr glückliche Beziehung. "Rückblickend denke ich, ich war nicht gut für ihn. Für mich war er jemand, der mir dabei helfen sollte auszubrechen. Dass er das nicht konnte oder wollte, machte mich unendlich wütend."
Ich frage nach ihrer Schulzeit. Sie sagt, sie habe das Stillsitzen gehasst und ihre Hefte vollgekritzelt. Gerade erst habe sie etwas aus der Zeit gefunden. Sie verschwindet in ihr Büro und kommt mit einem Notizbuch zuruck. Auf dessen Umschlag sieht man ein Schwert. Auf der zweiten Seite drei Dolche und die Worte "Tod: Auslöschung des Lebens". Weiter hinten noch mehr Zeichnungen von Waffen sowie das Zitat: "Nur die Starken werden überleben." und weitere Definitionen: "Schmerz: körperliches oder seelisches Leiden". "Autopsie: Untersuchung einer Leiche". Sie nimmt mir das Buch aus der Hand, scheint peinlich berührt, lässt mich dann doch weiterblättem. Da steht das Wort "Hölle" neben einem Bildnis des Teufels; danach eine halb herausgerissene Seite, auf der nur noch das Wort "Selbstmord" zu lesen ist. "Heute kann ich darüber nur lachen", sagt sie und erklärt den Grund ihrer düsteren Kritzeleien. "Ich wollte Bestattungsunternehmerin werden." Sie geht noch mal in ihr Buro und bringt den Beweis: ihr Exemplar des "1987 Funeral Service Institute Handbook".
Teil 3: Der Garten
Dieses Haus in einer ruhigen Straße von Beverly Hills hat früher Slash gehört, dem Gitarristen von Guns N? Roses. Der große Pluspunkt fur Jolie und Thornton war das Studio im Keller (zu Slashs Zeiten bekannt als "the Snakepit"), in dem Thornton Musik machen kann. Einen Swimmingpool gibt's auch, allerdings sind sie beide keine großen Schwimmer und der Pool macht sie nervös. Vielleicht lassen sie ihn mit Plastikkugeln füllen. Der Tennisplatz bleibt voraussichtlich. (Womit man wieder um eine Rock-Illusion ärmer wäre. Slash hatte einen Tennisplatz.) Hinterm Haus liegt noch ein ungenutztes Stuck Grund, wo sie, hieß es, vielleicht einen zweiten kleinen Garten anlegen könnten. Eher nicht, meint Jolie. Lieber stellen sie einen Wohnwagen hin. und wenn sie dann vom Leben zu Hause mal genug haben, können sie für eine Weile in den Wohnwagen ziehen.
Ihren allerersten kleinen Filmauftritt hatte Angelina Jolie mit fünf in einem Streifen namens "Lookin' To Get Out", den ihr Vater in Las Vegas drehte. Mit 13 nahm sie Unterricht am Lee Strasberg Theatre Institute. "Zu jung", kommentiert sie. "Ich konnte mich nicht konzentrieren." Sie modelte ein bisschen, trat in Videos auf - das erste war "Rock'n'Roll Dreams Come True" von Meat Loaf: "Er war ein Geist mit spitzen Ohren, und ich war eine Ausreißerin." Damals hatte sie lange Haare, noch keine Tattoos und dachte, sie mache ihren Job, wie man ihn halt machen müsse. Doch beim Vorsprechen hieß es immer wieder, sie wirke zu düster. Dann, mit 14, wurde sie für einen Film engagiert, der es nie in die Kinos schaffte, das Science-Fiction-Sequel "Cyborg 2". Heute sei's ihr nicht mehr peinlich, sagt sie; aber als sie das Werk seinerzeit zum ersten Mal sah, rannte sie hinterher nach Hause und kotzte, während ihr Bruder versuchte, sie zu beruhigen. Ein Jahr lang ging sie zu keinem Casting mehr. Jolie und der britische Schauspieler Jonny Lee Miller lernten sich 1995 beim Dreh zu ihrem vierten Film "Hackers" kennen. Er war ihr erster Lover seit dem Jungen, mit dem sie als 14-Jährige zusammen gelebt hatte. Sie reisten viel und ließen sich Tattoos stechen. Aber irgendwie beängstigte sie der Gedanke, dass ihr plötzlich jemand wichtig sein sollte, und daher sagte sie ihm, nach Ende der Dreharbeiten solle er einfach so tun, als sei sie weg. Bei "Foxfire", dem Film, den sie im Jahr darauf drehte, funkte es plötzlich zwischen ihr und einer anderen Darstellerin, Jenny Shimizu. "Ich merkte, dass ich sie auf die gleiche Art anschaute, wie ich zuvor Männer angeschaut hatte", erzählt sie. "und das war toll, eine Entdeckung. Ich hätte nie gedacht, ich könnte eines Tages mal mit einer Frau rummachen oder eine küssen. No way. Ich hab mich nur zufällig in eine Frau verliebt." Sie und Miller seien in Verbindung geblieben, aber nicht als Paar. Doch bald kamen sie wieder zusammen und heirateten.
Dann kam "Gia", ein Fernsehfilm, der Aufstieg und Fall des Models Gia Carangi nachzeichnete, ihre Heroinsucht und ihren AIDS-Tod Mitte der 8Oer Jahre; der Film, mit dem Angelina Jolie erstmals auf sich aufmerksam machen sollte. Nach "Gia" erklärte Jolie ihre Schauspielkarriere für definitiv beendet, "Ich dachte, ich hätte alles gegeben, was in mir steckte. Und ich konnte mir nicht vorstellen, dass da noch mehr in mir stecken könnte." Sie trennte sich von Miller. Sagt heute, sie habe ihn durchaus noch geliebt, aber nicht zur Ehe getaugt. "Ich war nicht mal eine gute Freundin, weil ich dauernd weg war, und... Ich fuhr einfach davon und verschwand." Sie beschloss, ihr bisheriges Leben hinter sich zu lassen. Dass sie sich für den Schluss von "Gia" eine Glatze scheren lassen musste, machte es etwas leichter - es gibt nicht viele Rollen für kahlköpfige junge Schauspielerinnen. Sie fühlte sich mit Glatze sauber. Danach zog Jolie nach New York, schrieb sich am College ein und wähnte sich eine Zeit lang frei. Doch dann wurde sie einsam und depressiv. Richtig depressiv. Und entkam der Depression erst, als man sie zur Verleihung der Golden Globes bat - nominiert für ihre Rolle im Fernsehfilm "George Wallace", einer Biografie, und sie tatsächlich gewann. "Ich kam mir vor, als wär ich in irgendeine Party geplatzt", erinnert sie sich. Plötzlich machte die Arbeit wieder Spaß. Und dann kam "Gia" raus, das Publikum war hingerissen, und ich fühlte mich verstanden. Ich hatte schon gedacht, mein Leben sei völlig bedeutungslos, dass ich nie irgendetwas würde vermitteln können und mich nie jemand verstehen würde. Doch dann kapierte ich: Ich war doch nicht allein." Ihre Karriere kam wieder in Fahrt, und bald stand sie in der Rolle vor der Kamera, für die sie einen Oscar bekommen sollte: die der Psychiatrie-Patientin Lisa in "Girl, Interrupted" (dt. "Durchgeknallt"). Laut Drehbuch ist Lisa ein pathologischer, unheilbarer Fall. Aber Jolie widerspricht: "Das kann man so oder so sehen." Für sie war Lisa auch ein Mädchen, mit dem sie sich absolut identifizieren konnte: "Sie wollte zu viel, sie war zu ehrlich, zu hungrig, zu lebendig." Als der Film im Kasten war, fiel Jolie die Umstellung wieder schwer. "Gegen Ende des Films kommt eine Szene, in der man Lisa einzureden versucht: "Niemand will, dass du lebst, niemand mag dich, wie du bist; das Beste wär, man würde dich festbinden und ruhig stellen." Jolie nahm das persönlich. "Wenn du das Gefühl hast, du bist genau wie sie, dann denkst du unweigerlich: "Scheiße, richte ich bei allem nur Schaden an? Bin ich einfach zu laut und zu wild, und sollte ich einfach alle in Ruhe lassen und die Klappe halten?"
Teil 4: Das Kellerstudio
Vor zwei Wochen, Angelina war in Afrika, bekam Thornton im Studio Besuch von Randy Scruggs. Das Album, an dem Thornton arbeitete, war zwar eigentlich fertig, aber Scruggs hatte noch eine Idee für einen weiteren Song, "Ich weiß ja nicht, ob du ein Lied über deine Frau machen willst", sagte er und sang Thornton einen Refrain vor. Den Rest des Songs "Angelina" schrieben sie in ein paar Minuten. Thornton lässt ihn stolz im Kellerstudio laufen. "Im Prinzip erzählt er, wie wir uns über den Weg gelaufen sind", erklärt er. Als die Musik einsetzt, schlingt Jolie ihre Beine um ihn. Nach den ersten zwei Zeilen zieht sie ihn zu sich rüber und sie fangen an, heftig zu knutschen.
I walked into an elevator
And you walked into a wall
You said you wanted to be with me
But I never dreamed I'd have it all
Thornton küsst ihren Fuß. "Ich hab's ja mit Füßen", sagt sie, "Wir haben's ziemlich mit Füßen", sagt er. Sie hatten lange vorher voneinander gehört. Geyer Kosinski - heute ihr Manager und früher sein Agent - hatte Thornton gesagt, er müsse sich mal mit Jolie treffen, sie seien sich so ähnlich. Doch sie trafen sich nie. Bis sie beide für den Film "Pushing Tin" (dt. "Turbulenzen - und andere Katastrophen") unterschrieben. Bereits am Tag ihrer Ankunft in Toronto bestiegen sie denselben Aufzug. - Ich lasse die beiden in Erinnerungen schwelgen. Thornton: "Ich sagte: 'Ich bin Billy Bob, wie geht es??, und dann stiegen wir aus dem Aufzug, und ich... kennst du das Gefühl, wenn man nicht will, dass etwas aufhört? Vor mir aus hatte der Aufzug bis nach China düsen können. Es ist wie ein Blitzschlag. Da lief etwas ab, was vorher noch nie abgelaufen war" - "Bei mir lief in dem Lift leider was falsch ab", sagt Jolie. "Physisch. Ich bin wirklich gegen die Wand gelaufen. Die vom Aufzug, Und dann, vor dem Hotel, stieg er in einen Wagen und sagte: 'Ich muss ein paar Hosen anprobieren, willst du mitkommen?? Ich fiel fast in Ohnmacht, ein wildfremder Mann, der vor mir seine Hose ausziehen wollte? Ich konnte nur 'nein? stammeln, um die Ecke biegen, nach Luft schnappen und denken: 'Hey... was... war... das? Was zum Teufel war das? Lieber Gott, wie soIl man hier arbeiten??" Eines Abends gingen sie zusammen essen, beide in Begleitung- Thornton kam mit seiner Assistentin, Jolie hatte einen Geschäftspartner aus Hollywood dabei -, aber immerhin unterhielten sie sich. "Wir hätten damals gar nicht zusammen sein können", erklärt Jolie, die zu jener Zeit noch an ihrer gescheiterten ersten Ehe zu knabbern hatte. Und Thornton war noch mit der Schauspielerin Laura Dern zusammen, "Keiner hätte damals gedacht, dass ausgerechnet wir irgendwann mal ein Paar werden würden", sagt Thornton. "Absolut unvorstellbar. Aber inzwischen wird mir immer klarer, dass das, was zwischen uns abgelaufen ist, einfach unvermeidbar war." Nach "Pushing Tin" hatten sie ein paar Monate lang keinen Kontakt, doch dann fingen sie an, miteinander zu telefonieren.
Teil 5: Die Küche
Jolie und Thornton mussten gerade eine Küchenkrise durchstehen. Vor ein paar Tagen hatten sie jede Menge Lebensmittel eingekauft, um ihren neuen Grill einzuweihen. Sie brutzelten zwar die Steaks, vergaßen aber Hühnchen und Fisch und wurden erst heute (via Nase) daran erinnert, dass Essen, wenn man's liegen lässt, leider vergammelt. Jetzt zetern sie, dass jeder von ihnen zu blöd sei, auch nur ein Ei zu kochen. Aber sie halten sich gem in der Küche auf. Eine Tür weiter gibt es zwar ein Esszimmer, aber das haben sie bis dato noch nie benutzt. (Übrigens: Der in den letzten Jahren verbreitete Mythos, Thornton nehme ausschließlich Orangefarbenes zu sich, ist eben das - ein Mythos. Zwar steht in der Küche eine große Schale mit Papayas, seinen Lieblingsfrüchten, und er ist ganz offensichtlich heikel und wählerisch, aber dann ertappt man ihn, wie er kalten Braten aus dem Kühlschrank verschlingt.) Jolie wiederum isst tonnenweise Cheerios. "Bestes Essen der Welt", sagt sie breit grinsend.
Eine Woche vor meinem Eintreffen war Angelina Jolie in Afrika, hatte Flüchtlingslager in Tansania und Sierra Leone besucht. Sie wollte etwas über das Flüchtlingsprogramm der UNO erfahren und hatte um eine Reiseerlaubnis gebeten. "Darüber rede ich nicht so gern", sagt sie und wählt ihre Worte vorsichtig. "Egoistisch gesehen wusste ich, dass so eine Erfahrung mein Leben verändern würde." Sie besuchte Lager für Kriegsverwundete und Camps für traumatisierte Frauen. "Ich hab nichts getan, was etwas Großes bewirken würde", sagt sie, Aber etwas hat sich für mich verändert. "Ich war endlich mal außerhalb meiner eigenen kleinen Welt."
Teil 6: Mrs. Jolies Büro
"Ich sammIe Vampirbücher", erklärt sie und weist auf die entsprechenden Reihen in ihrem Bücherregal. Die Faszination für Vampire hat sie früh gepackt ("als all die anderen Mädchen Ballerinas werden wollten, träumte ich davon, ein Vampir zu sein"), und Blut interessiert sie bis heute. Sie hat sich und ihrem Mann durchsichtige Anhänger gekauft, und jetzt trägt jeder von ihnen darin etwas getrocknetes Blut des anderen um den Hals. "Wir sind eben ganz kitschig romantisch", sagt sie ernst. Und würde nur zu gern noch weiter gehen: "Gäbe es eine ungefährliche Methode, sein Blut zu trinken, ich tät's. Wir haben drüber nachgedacht. Man liegt im Bett und möchte am liebsten kleine Stücke vom anderen abbeißen. Es hat nichts damit zu tun, dass man sich verletzt oder so etwas Schräges. Nein, es ist einfach das: 'Ich will ihn fressen.?? - ?Die Leute sehen sich meine Biografie an und denken bestimmt: 'Jaja, du heiratest doch eh eine nach der anderen??, sagt ihr schmackhafter Gatte, der, abgesehen von seiner Beziehung mit Laura Dern, viermal verheiratet war. "Bei mir lief eine Menge Scheiße ab, und jetzt lässt's sich leicht sagen: 'Das ist auch nur wieder so eine Affäre.' Ist es aber nicht. Das hier ist anders - und zwar in jeder nur denkbaren Hinsicht. Ich sag das ja auch in dem Song 'Angelina.?" - "Wir lieben uns wie verrückt, ganz besessen", bekräftigt Jolie. "Dabei hab ich mir vorher so viele Sorgen gemacht, dass ich irre werden würde, dass man nur noch aufeinander klebt, dass wir explodieren."
?Tomb Raider" wurde überwiegend in London gedreht, wo Jolie hart trainieren musste und weder rauchen noch trinken durfte. (Den Kaffee ließ sie sich dann doch nicht verbieten.) Obwohl Fliegen ganz oben auf der Liste seiner Aversionen steht, kam Thornton sie besuchen. (Er hatte Spaß, ging in tausend Plattenladen - doch er aß kaum. All diese alten Gebäude. "In so einer alten Umgebung krieg ich nichts runter", erklärt er. Er witzelt viel über seine Zwangsneurose, seine "OCD" (obsessive-compulsive disorder). Einmal, als er mir einen Song auf einer CD vorspielen will - und zwar den zweiten Track -, entschuldigt er sich dafür, dass wir nun zuerst den Track eins hören müssten. Er schafft es nicht, einen zweiten Track einfach so als erstes abzuspielen. Es geht einfach nicht.) Jolie erklärt, der Film habe ihr gut getan, "Wenn Lara Croft ein Problem hat, macht sie sich auf die Socken und löst es. Wenn sie frustriert ist, haut sie was kaputt. So kann das Leben auch sein. Irgendwo hab ich mal den Satz gelesen: "Es kommt darauf an, wie gut man durchs Feuer geht." Weißt du, es gibt manchmal auch Wege, die führen gar nicht zwangsläufig durchs Feuer. ?Jaja. Aber nicht für mich."
Teil 7: Mr. Thorntons Büro
In Thorntons Büro sitzt ein Beo namens Alice. Jolie hat dem Vogel mal aus Versehen Kies statt Körnerfutter verabreicht und nimmt seitdem an, dass er sie hasst. Thornton erzählt, Alice könne fast "Fuck you" sagen, nur das "F" bekäme sie mit ihrem Schnabel nicht hin. Bei einem meiner Hausbesuche muss Thornton noch einmal weg, doch bevor er lostfährt, legt er noch eine CD auf - Gedichte von Captain Beefheart für seine Alice.
?Jetzt fahren wir also einen Rattenkäfig kaufen, ja?", fragt Thornton seine Frau. Sie haben entschieden, dass Harry mehr Platz braucht, "Wir könnten zu Petco fahren", schlägt er vor, "die haben diesbezüglich bestimmt die größte Auswahl." Jolie isst einen Apfel. Er schiebt seine Hand zwischen ihre Beine, Sie umarmen sich. Wir steigen ins Auto. Thornton fährt, Jolie sitzt daneben. Eine Best-of-CD von John Lennon läuft. Sie werden ganz traurig. In zwei Tagen werden sie sich trennen müssen. Sie fliegt nach Seattle, um eine romantische Komödie mit Ed Burns zu drehen, "Life Or Something Like It". Er nach Louisiana für den Film "Monster's Ball", in dem Heath Ledger seinen Sohn spielt, Jolie beugt sich hinüber und küsst ihn, "Ach, eines Tages", seufzt sie. "Eines Tages werd ich sein Ohrläppchen abbeißen." Wir gehen zu Petco, und sie vergleichen die diversen Kleintierkäfige. Aufgeregt deutet sie auf einen mit dem Schild "Small Animal Starter Kit", "Schau mal, honey", ruft sie, "der hat sogar 'ne Hängematte!" Sie schlendert weiter, begutachtet Hundewindeln, Hunde-Atemfrisch, Katzenzahnpasta und allerlei Vogelspielzeug. "Ich hab das Gefühl, für Ratten gibt's hier nichts". sagt sie indigniert. "Ratten sind doch normal... oder etwa nicht?).
Sie kaufen den Käfig-Bausatz. "Er wird begeistert sein", meint sie. Zu Hause angekommen, sitzen Jolie und ich auf dem Boden und bauen Harrys neues Heim zusammen. "Da machen wir einen kleinen Schädling sehr glücklich", erklärt sie. Jolie ist stolz, dass es mit Harry so gut läuft. "Ich hatte mit Haustieren nie viel Glück." Mit 14 besaß sie einen Leguan namens Vlad, aber als dann die Filmjobs kamen, musste sie ihn beim Tierarzt lassen. Dann, ein paar Jahre spater, hatten sie und Jonny Lee Miller eine Albina-Schlange mit Namen Harry Dean Stanton. Aber auch da mussten sie zu Dreharbeiten weg und fanden niemanden, der bereit gewesen wäre, die Mäuse für die Schlange zu killen. Sie kam zu dem Schluss, das Humanste wäre, Harry Deans Leben zu beenden. Bloß, sie brachte es nicht übers Herz, also rief sie den Tierarzt an, der schon für Vlad ein neues Zuhause gefunden hatte und bat ihn, Harry Dean einzuschlafern. "Er sagte 'Wenn Sie mir versprechen, dass Sie sich nie wieder ein Haustier zulegen, nehm ich Harry und suche jemand für ihn.?? Und, hast Du's versprochen? "Schon, aber ich denke mal, dass er das nicht Ernst gemeint hat. Ich hab dann lange nachgedacht, was ich wohl falsch gemacht hatte, und kam zu dem Schluss, dass es einem Tier wohl einfach nicht sehr gut tut, bei mir zu leben." Sie lächelt. "Nur die Ratte kommt prima mit mir zurecht.
Teil 8: Das Zimmer mit Jukebox und Billardtisch
Die Jukebox ist voll mit seiner Musik, und überall liegen CDs - Thornton will ihr alles Mögliche nahebringen, was sie noch nie gehört hat. Als junges Mädchen liebte sie The Clash: "Die gehen dir unter die Haut. Machen dich auf positive Weise aggressiv." Am anderen Ende des Raums steht Elvis Presley. "Aus Fiberglas, mit Pantoffeln an", beschreibt sie ihn akkurat. Ich frage unschuldig, ob sie hier abends immer Pool spielen. Ein diebisches Lächeln. "Wir spielen abends normalerweise nicht Pool." Das heißt was? Sie wolle ihren Freunden das PooI-Spielen nicht verleiden, wenn die zu Besuch kämen, sagt sie. Du willst damit also andeuten, dass ihr schon Sex auf dem Billardtisch hattet? "Ja", gesteht sie, "hatten wir. Der blöde Teppich scheuert nämlich so." Das denkfaule Vorurteil über Angelina Jolie lautete früher: "Sie ist die Verrückte (oder verletzender noch: die, die immer so tut, als sei sie verrückt), die auf Messer und Tattoos steht." Jetzt ist sie eher "die Verrückte, die mit ihrem HilIbilly-Mann perverse Sachen treibt". Dann wurde ihr eine Zeit lang unterstellt, sie habe (oder heuchle auch das nur) eine inzestuöse Beziehung zu ihrem Bruder Jamie. Beweise: a) der lange Kuss, den sie ihm gab, als er sie zur Oscar-Verleihung begleitete und sie den Preis für die beste Nebenrolle in "Durchgeknallt" erhielt, und b) ihr anschließendes Statement: "Ich bin momentan schwer in meinen Bruder verliebt." "Das war eine schwierige Zeit für meine Familie", sagt sie dazu. "Ich hab seit Monaten nicht mit Jamie gesprochen. Ich glaube, er - und ich bin mir da nicht sicher, aber - irgendwie hat er wohl beschlossen", sie bricht ab und beginnt zu weinen, "nicht mehr so oft in meiner Nähe zu sein, damit wir keine dummen Fragen beantworten müssen." Jolie sagt, sie habe ihrem Bruder ihre Afrika-Tagebücher geschickt, damit er sie auf seinem Computer speichert: Er ist der Einzige, dem sie wirklich vertraut. "Wir haben natürlich auch über die Gerüchte gesprochen: Glauben die Leute wirklich, dass wir zusammen schlafen? Nein - das kann doch nicht wahr sein. Die Sache bei den Oscars... Ich war völlig perplex, dass das so interpretiert wurde. Ich hab ihn umarmt, ich hab ihn geküsst... wenn das zu lang war... Er liebt das Kino, mein Bruder. Er kann dir sämtliche Oscar-Gewinner aus dem Kopf auflisten. Ich war für einen nominiert, und er hat mir, aufgeregt wie ich war, einfach Ruhe gegeben. Als ich also sagte: 'Ich bin gerade schwer in meinen Bruder verliebt', da meinte ich damit nur: 'Mehr noch als dieser verdammte Award haut es mich um, wie sehr dieser Mensch mich liebt.' Und das wurde in die abstrusesten Geschichten verdreht. Den entscheidenden Punkt aber haben sie alle übersehen, nämlich wie toll es ist, wenn zwei Geschwister einander unterstützen. Das gibt es ja in geschiedenen Familien öfter, dass die Kinder dann näher zusammenrücken und zueinander halten." Allerdings dachte sie bei den Oscar-Verleihungen noch an etwas ganz anderes, nur konnte sie das in dem Moment nicht sagen: AIs sie von der Bühne kam, suchte sie zunächst Thornton und hinterließ ihm eine Nachricht auf Band. Später fuhr sie zum Sunset Marquis-Hotel, traf Billy im Garten und setzte sich zu ihm auf den Boden. "Er war im Schlafanzug und hatte gerade die Kinder ins Bett gebracht", erzählt sie. Wenig später half ihr ihr Bruder beim Packen, damit die beiden losfahren und heiraten konnten.
Teil 9 - Das Gästeschlafzimmer
Das Gästeschlafzimmer ist abgesperrt. Und zwar, weil es die L.A.-Sammlung von Angelina Jolies Messern beherbergt: 20 oder 30 scharfe Dinger verschiedenster Form und Größe. (Der Rest ihrer KoIlektion lagert noch in New York.) "Ich finde sie alle schön", erklärt sie. "Ich besitze Messer aus allen Ländern der Welt. Messer für die unterschiedlichsten Rituale. Ich hab einen Sinn für Ehre, für Ehrenkodexe. Also hab ich Messer." Als sie noch ein Teenager war, spielten die Messer eine ganz andere Rolle für sie. "Wenn du vom Leben restlos enttäuscht bist", sagt sie, "dann läufst du rum und spürst das Wetter nicht, spürst andere Leute nicht - selbst wenn mir mal jemand körperlich nah war, verspürte ich kaum etwas, es war einfach nicht genug, nichts kam wirklich bei mir an. Und daher hatte ich damals eine Phase, wo ich mich selber mit dem Messer schnitt - da spürte ich endlich etwas." Das ist gar nicht so selten. "Nein, viele Leute tun das. Und viele machen noch ganz andere Sachen - lassen sich schlagen, betäuben sich mit Drogen. Für viele ist Sex nur in Verbindung mit Gewalt oder Drogen denkbar. Das war nie mein Ding. Es gab nur wenige Menschen in meinem Leben, doch die waren mir lieb und wert." Jolie erzählt noch mehr von der schlimmen alten Zeit. "Es gab Momente, da wollte ich einfach nur körperlich etwas spüren... sei es ein Messer oder eine Peitsche. Du willst einfach alles los sein, was dich... irgendwie möchtest du, dass alles ganz still wird. Andere Leute suchen das im Sex, wieder andere versuchen, perfekt zu sein, was genauso krank ist. Manche gehen einkaufen. Ich nahm das Messer."
Immer wieder betont sie, wie wütend es sie mache, wenn man ihr unterstellt, sie tue das immer noch - es istja Jahre her - oder finde es irgendwie cool. "Ja, ich kenne das Gefühl, wenn man Blut sehen will, um zu spüren, dass man lebt", sagt sie. "Aber ich werd's nicht wieder tun. Ich hab andere Wege gefunden, etwas zu spüren... mit Billy ist es einfach anders. Alles läuft sehr liebevoll und zärtlich, und ich kann ein Mädchen sein... aber wir haben auch sehr explosiven Sex." Sie lacht. "Und deshalb... Sein Geist und sein Körper ist alles, was ich mir je erträumt hab, mehr als genug, um zufrieden zu sein. Das Leben ist aufregend. Aber erst mit ihm ergibt das alles einen Sinn. Davor war alles sinnlos." Sie öffnet eine Vitrine und zeigt mir das Messer, das zu ihrer Ausstattung in "Foxfire" gehörte, dann das große neue aus Kambodscha - und ihre Wurfmesser, die sie, wenn sie plötzlich mal die Stimmung packt, mit Vorliebe quer durchs Zimmer in einen Pappkarton pfeffert. "Das tut gut", erklärt sie, sagt aber auch, sie habe die Wurfmesser schon lang nicht mehr herausgeholt. AIs sie 19 war und ihre Karriere anlief, sank ihre Stimmung auf den Nullpunkt. "Ich wusste nicht mehr, ob ich leben wollte - weil ich gar nicht wusste, wofür."
Und hast du da wirklich mit dem Gedanken gespielt, Schluss zu machen? "Hab ich. Ja, das hab ich!" Hast du dir denn auch überlegt, wie du das anstellen würdest? "Ja. Das war in einem Hotelzimmer in New York", sagt Jolie. Sie wollte ein Messer und Schlaftabletten verwenden. Sie verfasste eine Nachricht an ihre Haushälterin, in der stand, sie solle die Polizei rufen - so dass der guten Frau der Schock erspart bliebe, Jolies Leiche zu finden. Dann ging sie den ganzen Tag spazieren. Fast hätte sie sich noch einen Kimono gekauft, sah dann aber ein, wie unsinnig das war. "Ich wusste nicht, ob ich's schaffen würde, mir tatsächlich das Messer übers Handgelenk zu ziehen." Aber es waren die Schlaftabletten, die ihr am meisten Sorgen bereiteten - zumindest der logistische Aspekt. Um nur ja nicht zu wenige zu haben, hatte sie ihre Mutter gebeten, ihr noch ein paar zu schicken - aber nun würde ihre Mutter sich später Vorwürfe machen. Und noch etwas ging ihr auf: "Dass man so eine Entscheidung jederzeit treffen kann. Ich lag da ganz allein und dachte mir: 'Genauso gut könnte ich intensiv und in vollen Zügen leben, mich um nichts scheren, denn diese Tür steht einem ja immer offen.' Von da an lebte ich, als könnte ich jeden Tag sterben." Am nächsten Tag ging sie wieder in die Stadt und kaufte sich den Kimono. Warst du jemals wieder so lebensüberdrüssig? "Naja, ich hatte mich früher schon oft so gefühlt. Mit 13 oder 15." Und wolltest du auch damals schon den entsprechenden Schritt tun? "Ja. Ich glaub, das kam immer wieder mal vor. Es mag völlig krank klingen, aber es gab eine Zeit, da dachte ich, ich muss wohl einen Killer anheuern, der mich umbringt. Bei einem Selbstmord fühlen sich unweigerlich alle schuldig, die dir nahe stehen, weil sie denken, sie hätten's verhindern können. Wird aber jemand umgebracht, befällt niemand dieses Schuldgefühl." Das war die Zeit, als Jolie in New York aufs College ging. Sie hatte die Schauspielerei an den Nagel gehängt, und sie war allein. "Ich hatte keine richtigen Freunde mehr, und die Stadt kam mir einfach kalt und traurig und fremd vor, und die U-Bahn... alles, was an New York irgendwie romantisch war, wirkte auf mich nur noch sehr kalt." Sie traf sich mit einem Mann, dem Freund eines Freundes, der, so hatte man ihr gesagt, den Mord erledigen könne. Sie hatte lange darüber nachgedacht. Hatte das nötige Geld - Zehntausende von Dollars - ganz allmählich Stück für Stück beiseite gelegt, damit nach ihrem Tod niemand zurückverfolgen konnte, was sie da getan hatte. "Es ist so schräg und so kompliziert und so völlig kr-... Wie in einem verdammten Film." Sie erklärte dem Mann, was sie wollte. "Er sagte sehr freundlich zu mir, ich müsse es mir noch einen Monat überlegen. In der Zeit ergaben sich aber völlig neue Dinge in meinem Leben - ich hatte es mal wieder überstanden."
Teil 10: Die Kleiderkammer
"Tun wir so, als hättest du meinen Schrank nicht gesehen", sagt Jolie, und führt mich dann trotzdem hinein. Sie zeigt auf einen Tüllrock: "Ich liebe Verkleidungen", sagt sie. "Den hat mir Billy gekauft. Zusammen mit dem Rotkäppchenkostüm." Sie zeigt es mir. Dann die Krankenschwester-Uniform. Thornton kommt vom Zahnarzt. Der hat ihm acht Spritzen verpasst. Während der Behandlung hörte er "Obscured by Clouds" von Pink Floyd. Sein Gesicht ist trotzdem blass und starr. "Ach, Herzchen", tröstet Jolie. Er geht in sein Büro, Jolie und ich reden in der Küche weiter. Sie hastet von einer Ecke in die andere. Ich frage, wo sie denn nun Platz nehmen will, damit ich endlich meinen Cassettenrecorder da aufbauen kann. "Ich nehme eigentlich nie Platz", antwortet sie. Ich spreche sie auf ein Thornton-Interview an, in dem zu lesen stand, vor allem wenn die beiden getrennt seien, trage er gern ihre rosarote Unterwäsche. "Also, zunächst möchte ich eines klarstellen", erwidert sie, "weiI Jay Leno mal diese Frage aufgeworfen hatte, wie er denn überhaupt in meine Unterwäsche passen könne. Lass mich dazu einfach sagen, dass er einen umwerfenden Körper hat. Als ich ihn zum ersten Mal nackt sah... ich kann bis heute kaum über ihn reden. Er ist umwerfend. Fuckng perfect... Und was die Frage anlangt: Ich seh ihn nun mal auf jede Art gern, unter anderem auch, ja, das kannst du ruhig schreiben, in meiner Unterwäsche." So wie er dich vielleicht gern als Krankenschwester sehen möchte.? "Oder einfach in so kleinen weißen Socken. Ich lauf oft nur im Nachthemd und in so kleinen weißen Socken rum." Später mokiert sie sich darüber, wie über sie geredet wird. "Ich sei zerbrechlich, ich sei kaputt. Es gab in den letzten Jahren viele Dinge in meinem Leben, von denen die Leute keinen Schimmer haben", sagt sie. "Sie haben behauptet, ich schlafe mit meinem Bruder, ich sei drogensüchtig, ich würde mich selbst ruinieren, und überhaupt stellen sie mich als eine ziemliche Schlampe dar. Ich bin ja nun wirkIich nicht perfekt..." Sie schüttelt den Kopf. Thornton kommt herein und sagt, seine Mutter sei am Telefon und wolle mich sprechen. (Wir haben uns schon mal unterhalten. Sie ist äußerst charmant und plaudert wie ein Wasserfall. In seinem Drehbuch für "The Gift - Die dunkIe Gabe" - deutscher Filmstart im Herbst - hat Thornton sie als Vorbild für Cate Blanchetts Rolle der Hellseherin verwendet.) Wir reden noch, als Jolie zur Tür geht, um ihren Vater zu begrüßen, der auf dem Weg zum Flughafen vorbeikommt - er dreht gerade einen neuen Film. "Alle in meinem Leben packen die Koffer", sagt Jolie später. "Scheiß Schauspieler." Thornton schleicht ins Nebenzimmer und hört "Chestnut Mare", den gloriosen, surrealen Sehnsuchts-Song der Byrds.
Teil 11 - Der Aufzug
Das Haus, das einst Slash gehört hat, birgt allerhand Geheimnisse. Gerüchten zufolge war es zur Zeit der Prohibition in den 20er Jahren ein illegaler Vergnügungspalast. Es gebe geheime Verbindungstunnel. Und eine Tür, die sich nicht öffnen lässt, führt zu einem Aufzug, der die beiden Stockwerke verbindet. "Wir haben uns in einem Aufzug kennengelernt", erklärt Jolie, "und neigen zum Kitsch, also wollten wir mal Sex im Aufzug. Jetzt haben wir selber einen, wie perfekt - nur die Tür müssen wir halt noch aufkriegen." Nach "Pushing Tin" und nachdem sie Thorntons Bekanntschaft gemacht hatte, sagt Jolie, "wusste ich, dass jemand existiert, der alles verkörpert, wofür ich stehe und woran ich glaube". Um es festzuhalten, machte sie einen Termin bei einem Tätowierer und ließ sich Billy Bobs Namen in die Leistengegend stechen. Es sollte noch ein ganzes Jahr dauern, bis der solchermaßen Geehrte von dem Tattoo erfuhr. "Das war für mich", erkIärt sie. "Es machte mich glücklich." Während wir über all dies reden, sagt sie folgenden sonderbaren Satz: "Ich hab noch eine ganz andere schwierige Phase mit mir selber durchgemacht, das war, als ich in der Psychiatrie war und wieder aus der Psychiatrie rauskam... nicht die echte, sondern als ich für einen Film drin war..." Die echte?, frage ich. (Ich vermute - korrekterweise -, dass es bei der Letzteren um ihre Rolle in "Durchgeknallt" ging.) "Okay", sagt sie und ist unschlüssig, ob sie weiterreden soll. Sie starrt auf den Tisch zwischen uns. "Jetzt schau ich auf das Aufnahmegerät." Sie erzählt's mir trotzdem. Es war kurz vor ihrer Hochzeit mit Thornton. Da wurde sie für 72 Stunden in die Universitätsklinik in Los Angeles eingewiesen. "Das kam so", erklärt sie. "Wir wussten nicht, ob das mit uns beiden gut gehen konnte." Sie setzt ab. "Ich weiß noch, dass er irgendwohin gefahren war und ich keine Ahnung hatte, wie's ihm ging. Wir hatten heiraten wollen, doch wegen all dieser Gründe dachten wir, dass es vielleicht doch nicht funktionieren würde. Wir waren alle beide einfach... sind beide einfach... es ist eine wunderbare Liebe, aber sie ist auch ein bisschen durchgeknallt, und irgendwie dachte ich, es wär was mit ihm passiert und konnte einfach... ich drehte einfach ein bisschen durch." Wo war er denn hin? "lch kann's dir nicht sagen, und ich kann's nicht erkIären. Ich kann nur sagen: Manchmal explodiert das Leben einfach. Vielleicht musste ein Teil von mir ein paar Tage lang dicht machen, um aIles zu verarbeiten, was passiert war. Wirklich, keine Ahnung." Jolie war mit Thornton in Nashville gewesen. Ihre Mutter holte sie am Flughafen in Los Angeles ab. "Und ich konnte einfach nicht aufhören zu heulen. Ich weiß nicht, was es war." Sie begann erst zu stottern und konnte dann überhaupt nicht mehr reden. Man rief einen Arzt, und sie wurde ins Krankenhaus gebracht. (Sie betont, es hätten sich keinerlei Substanzen, rezeptpflichtige oder auch illegale, in ihrem Blutkreislaufbefunden. "Immer unterstellen mir die Leute, ich stünde unter irgendwelchen Drogen", murmelt sie.) Sie verhalte sich, hieß es, als sei gerade jemand gestorben, der ihr nahe gestanden habe. "Im Grunde dachte ich, er wär weg", sagt sie. "Also behandelten sie mich, als wär ich wirklich durch einem Verlust traumatisiert. Wie eine Frau, die ihren Mann verloren hat. Ich konnte kaum reden." So fand sie sich in einem Hospital wieder, zusammen mit anderen jungen Leuten, die so ihre eigenen Probleme hatten. Und dabei hatte sie gerade für ihre Darstellung einer seelisch Kranken einen Oscar bekommen. "Manche von ihnen kannten mich, manche hatten den Film gesehen. Auf eine verquere Art ist es ja schön zu wissen, dass wir letztlich alle krank sind." Wie meinst du das? "Naja, viele junge Mädchen, wir alle eigentlich, sehen immer diese Bilder in Zeitschriften; von Leuten, die alles auf die Reihe kriegen und deren Leben so perfekt ausschaut. Da war es doch bestimmt ganz erfrischend für die anderen in dem Krankenhaus zu sehen, dass ich mich mit den gleichen Sachen herumschlagen muss wie sie, dass bestimmte Dinge das Leben nicht besser machen, dass es keine andere Seite gibt. Die Menschen sind halt überall gleich." Gegen den Wunsch der Tochter spürte ihre Mutter Thornton auf. "Ich glaube, er hatte mich gesucht", sagt Jolie. So wie sie heute darüber spricht, war es die letzte Prüfung aufihrem Weg heraus aus der Dunkelheit. Ein paar Tage und eine Hochzeit in Las Vegas später hatte das Leben, das sie so lange ersehnt hatte, endlich begonnen.
Teil 12: Das Kellerstudio
An jenem ersten Tag, während die beiden knutschen, lausche ich gebannt der zweiten Strophe von ?Angelina?:
They all said we'd never make it
Two crazy panthers on the prowl
They said we would only fake it for a while
But we just looked at them and growled
Thornton erklärt, die beiden sähen einander tatsächlich in die Augen wie zwei Panther. "Wir sind dermaßen aufeinander fixiert, dass es was davon hat. Wir schleichen einander auch hinterher. Im Haus, in der Küche. Es ist wie ein permanenter Tanz bei uns." Ist einer von euch dann mehr der Jäger oder mehr der Gejagte? "Ich glaube, wir sind uns ziemlich ebenbürtig." Er grinst. "Wir wollen ja beide gefangen werden - also wie gut sind wir wohl als Jäger?" "Aber die Strophe handelt ja auch von dem Zynismus, unter dem wir oft zu leiden haben", fügt er hinzu. Sie fährt fort: "Die Leute dachten entweder, ein schlimmeres Paar als uns könne es gar nicht geben. Oder umgekehrt, wir wären die letzten oder die einzigen, die überhaupt perfekt zueinander passen." Die einzige wahre Antwort darauf, das wissen sie, geht ganz langsam. "And we just looked at them and growled", zitiert Thornton. "Das ist das Knurren. Wir bleiben einfach zusammen und leben weiter." "Wir wissen es einfach", sagt Jolie. "Weißt du", sagt Thornton, "wenn Leute sich im Kino eine Lovestory anschauen, schwärmen sie immer: 'Hach, er sieht so gut aus', 'Wie herrlich', 'Wie sexy', 'Hach, das Ende war schön.' Sie sehen den Film und sind begeistert und sagen: 'So wünsch ich mir das auch.' Aber weißt du was? Wenn man's ihnen vor die Nase hält, dann akzeptieren's die meisten überhaupt nicht. Aber wir werden es jetzt genauso leben, wie es im Kino ist. Wenn einer durch den Regen rennt, mit abgetrenntem Arm... Für sie würde ich das auch im richtigen Leben tun." Da ist was dran. Man bedenke: Zwei Leute versuchen ihr Glück, müssen aber mit jedem nur erdenklichen Unglück fertig werden. Zwei höchst komplizierte Lebewesen tun sich zusammen, um ein höchst riskantes Glück zu wagen. Zwei händchenhaltende Stelzenläufer blicken in den Himmel, während alle Welt darauf wartet, dass sie straucheln; zwei weigern sich zu glauben, dass eine große verrückte Liebe nicht triumphieren könne... Sind das nicht exakt die Gründe, weshalb wir ins Kino gehen? Einen Tag nach meiner Abfahrt haben Jolie und Thornton wieder einmal geheiratet, und zwar in der Küche, wo wir auch Harrys neuen Käfig zusammengebaut haben. Sie erneuerten ihren Schwur vor einer Priesterin der Church of Enlightenment, die im Lauf der Zermonie ganz ernst auch von dem vierfüßigen Harry und der geflügelten Alice sprach. Das Paar musste sich Mühe geben, nicht vor Lachen zu platzen. Statt erneut Ringe auszutauschen, schnitten sie einander je in einen Finger und saugten Blut heraus. "Es lief alles sehr schön", betont Jolie. "Es hatte nichts irgendwie Sexuelles und war auch sonst keine Sauerei." Allein in Seattle, schmiedet Jolie Pläne für ihren Hochzeitstag. Sie reserviert schon mal Plätze für ihre Gräber und bestellt zusätzlich eine Bank, die zu ihren Lebzeiten erst einmal in ihrem Garten stehen soll. Sie ruft mich an, plaudert munter, erwähnt allerdings nebenbei, dass einige Ampullen ihres eigenen Bluts in der Minibar des Hotelzimmers stehen. Statt es sich selbst abzuzapfen, ließ sie einen Arzt kommen, und ich kann sie für diese neu gewonnene Reife nur loben. Am nächsten Tag, erzählt Jolie weiter, werde Harry, die Ratte, eingeflogen. "Harry hat ein Zertifikat gekriegt", sagt sie stolz. "Er ist kerngesund." Solange sie auf seine Ernährung achtet. "Kürbiskuchen darf ich ihm keinen mehr geben, haben sie gesagt." Nach dem Hochzeitstag unterhalten wir uns ein letztes Mal. Es ist alles bestens gelaufen. Unabhängig voneinander hatten sie die gleiche Idee gehabt: "Ich schenkte ihm mein Blut in den Ampullen", berichtet sie, "und er mir seines, das er sich auch hatte abnehmen lassen." Außerdem hatte Thornton nun auch "to the end of time" in Blut geschrieben, um es neben ihr statement übers Bett zu hängen; hatte einen Song selbigen Titels für sie komponiert und sich überdies ihren Namen auf seinen Arm tätowieren lassen (auf einem Bein trägt er ihn bereits). "Und zwar so", erklärt sie, "dass das ?l' in eine Vene verläuft und vier Blutstropfen herauskommen - je einer für mich, seine zwei Kinder und ihn selbst." Sie schenkte ihm noch ein Album mit Kinderfotos von ihnen beiden - so kombiniert, als wären sie zusammen aufgewachsen. "Einfach süße Bilder, er neben seinem Hund, ich neben meinem Hund..." Außerdem hat sie ihr Testament dahingehend geändert, dass sie und Thornton nebeneinander begraben werden sollen. Sie ließ es vom Notar beglaubigen. Als sie ihm die Urkunde zeigte, zog er seinerseits ein Blatt Papier hervor, wiederum mit Blut unterschrieben, auf dem er verspricht, in alle Ewigkeit mit ihr verheiratet zu bleiben. Ebenfalls notariell beglaubigt. "Wir mussten darüber lachen, dass wir beide tatsächlich bei einem Notar gewesen waren." Am nächsten Morgen schließlich ließen sie sich gleich nach dem Aufstehen am Küchentisch beide tätowieren: jeder das gleiche geheime Symbol auf den rechten Arm. Dann gingen sie auf den Gemüsemarkt. Später sahen sie fern. Neugierig geworden, frage ich, was sie mit dem Blut eigentlich machen. "Also, ich hab seine Ampulle geöffnet", sagt sie. "Hab ein bisschen davon auf mich tropfen lassen. Hab damit gemalt. Es hat etwas sehr Urtümliches und sehr Romantisches. Ich wollte auch schon welches über meine Kleider kippen, aber wahrscheinlich würde das die Leute doch ein wenig aus der Fassung bringen. Das versuche ich zu vermeiden." Jolie erwähnt, dass sie sich jetzt noch einen Pudel kaufen wollen. Was Harry anbelangt, so hat es ihm im Hotel sehr gut gefallen, allerdings muss der Gute am Nachmittag zum Zahnarzt - die Ratte hat auf den Gardinen rumgekaut. Bevor Jolie sich verabschiedet, gehe ich zur Kontrolle noch mal ein paar Fakten mit ihr durch; auf meine Nachfrage erklärt sie mir erneut, wie das mit ihrem jugendlichen Interesse am Vampirismus war. "Wie alle anderen hab ich mal als kleines Mädchen...", beginnt sie. Dann muss sie schallend lachen. "Naja", sagt sie, "vielleicht doch nicht so wie alle anderen."
Chris Heath
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