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Start Interviews Wild, sexy, hart

Wild, sexy, hart

TV Movie, Juni 2001
 

Hollywood - Darauf haben Millionen Fans gewartet: Lara Croft, die größte Computerspiel-Heldin aller Zeiten, wird lebendig. Am 28. Juni startet der Film. Hauptrolle: Angelina Jolie (26). TV Movie besuchte die Oscar-Preisträgerin schon jetzt.
 

Bei ihr ist nichts normal. Angelina Jolie (26) tut, was sie will. Pfeift auf Moral, Manieren, Etikette. Steckt voller Überraschungen, auch bei unserem Termin. Den dafür reservierten Salon lehnt sie ab, will zum Interview lieber auf mein Hotelzimmer kommen. Pünktlich steht sie vor der Tür. Allein. In weißem T-Shirt, weißen Leinenhosen, ohne Make-up und die Haare strähnig-feucht, als käme sie gerade aus der Dusche. Null Glamour. Und wäre da nicht dieser berühmte jugendgefährdende Mund mit den üppigen Schmolllippen - ich hätte sie kaum erkannt. Wie aufs Stichwort sagt Angelina lächelnd: "Ich bin nicht hübsch. Ich sehe eher seltsam aus." Kann sie etwa Gedanken lesen?
 

Egal: Hollywood ist süchtig nach der Tochter von Alt-Star Jon Voight (62, "Heat"). Zerreißt sich einerseits das Maul über ihre Drogenexperimente, ihre Messersammlung, ihre Bisexualität. Stöhnt andererseits entzückt auf bei jedem weiteren Geständnis und überschüttet sie mit Preisen (drei Golden Globes, ein Oscar) und Rollen. Elf Filme hat Angelina allein seit 1998 gedreht und meist dunkle, unberechenbare Frauen verkörpert. Sie glänzte als manische Klapsmühlen-Insassin ("Durchgeknallt"), als zerstörerische, megascharfe Fluglotsengattin ("Turbulenzen und andere Katastrophen"), als widerspenstige Polizistin in "Der Knochenjäger".
 

Angelina als Pixel-Ikone Lara Croft - das ist ihre Krönung: In der lang erwarteten Verfilmung des Computerspiel-Hits "Tomb Raider" (Start: 28.6.) spielt sie die berühmteste Cyberheldin der Welt. Angelinas blaugraue Augen funkeln spöttisch: "Lara ist genau wie mein Image. Wild, sexy und hart an der Grenze des Erlaubten." Sie prustet vor Lachen, nippt am Wasser aus meiner Minibar, denkt nach: "Im Ernst. Uns verbindet wirklich einiges. Abenteuerlust, Freiheitsdrang, der Spaß an körperlicher Herausforderung."
 

Es geht hoch her in "Tomb Raider". Das Action-Spektakel ist eine explosive Mischung aus "Indiana Jones" und "James Bond", mit halsbrecherischen Stunts. Um die "zu überleben", wurde Angelina drei Monate lang gedrillt. "Härter als beim Militär. Jeden Morgen um sechs aus dem Bett. Yoga, Krafttraining, Kickboxen, Karate, Kanufahren, Bungee-Ballett, Waffenausbildung. Kein Alkohol, kein Nikotin, kein Kaffee, nichts Süßes."
 

Dreharbeiten auf Leben und Tod. Sie verrenkte sich die Schulter, zerrte sich die Achillessehne, verbrannte sich den Unterschenkel, blutete aus zahllosen Schürfwunden. Aber das war alles nichts gegen die seelischen Qualen: Am schwersten fiel ihr die zeitweise Trennung von Billy Bob Thornton (45, "Sling Blade"). Am 5. Mai 2000 haben sie in Las Vegas geheiratet, seitdem ist alles anders. Ihre rastlose Suche nach Wurzeln und Stabilität - vorbei. Bei ihm ist Angelina zu Hause. "Als wir uns kennen lernten, fühlte ich mich sofort eins mit ihm", schwärmt sie, "Billy hat mich auf wundersame Weise geöffnet. Er liebt mich so wie ich bin. Wir haben ein urwüchsiges Verständnis füreinander und den großartigsten Sex."
 

Sie haben außerdem die gleichen Interessen: Filme drehen, Motorrad fahren, Tätowierungen. Angelina hat ein Dutzend davon. Warum? "Obwohl ich sehr für den Augenblick lebe, mag ich Dinge, die permanent sind. Die Tattoos sind Zeichen für verschiedene Phasen meines Lebens und geben mir Stärke." Sie mag Symbole, trägt Billys Blut in einem Fläschchen an einer Halskette und er das ihrige. "Zur Bestärkung unserer Liebe. Wir sind besessen voneinander. Ich werde ihn begehren, bis ich sterbe."
 

Weil sie sicher ist, dass "wir auch nach dem Tod zusammen bleiben werden", hat Angelina die gemeinsame Grabstätte schon gekauft und eine Bank tischlern lassen. Die ist gemütlicher als ein langweiliger Grabstein. "Zurzeit steht sie in unserem Garten, und wir sitzen darauf."
 

E. Merck-Wöhler / E. Brettschneider

 

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